Anatomie Lateinisch / Deutsch Mindestanforderung Terrarien und Einrichtung Erwerb und Transport Schlangen-Fütterung Länge der Schlangen Fortpflanzung Schlangeneier Schlupf der Jungtiere Aufzucht Die Überwinterung Mögliche Krankheiten Bisswunden Meine Terri-Anlagen Klimadaten Klinisches Wörterbuch Schlange! Was tun? SCHLANGEN-KURS

»Mit der Behandlung der Eier und dem Schlüpfen der Jungen sind die Aufgaben des Züchters noch nicht erledigt. Ich möchte fast sagen, dass die grössten Schwierigkeiten erst hier beginnen.« Mit diesen Worten des Altmeisters der Terraristik Klingelhöffer sei auf die Probleme verwiesen, die vor dem glücklichen Terrarianer stehen, der nach wochenlangem Mühen um die erfolgreiche Entwicklung eines Geleges oder mit einem unverhofften Wurf eine ganze Schar winziger Jungschlangen sein eigen nennt. Sind die passenden Terrarien vorhanden? Ist die Beschaffung ausreichender Mengen des geeigneten Futters gewährleistet? Steht genügend Zeit zur Verfügung, sich intensiv mit der Betreuung dieser Jungschlangen zu beschäftigen?

Sollten bei der Beantwortung dieser Fragen bereits Bedenken auftauchen, ist es besser, sich schnellstens von einem Teil der Nachzucht zu trennen und ihn an Interessenten weiterzugeben. Die sorgfältige Aufzucht der Jungschlangen ist das A und 0 für eine erfolgreiche Vermehrung unserer Pfleglinge über eine weitere Generation. Optimaler Wachstumsverlauf, eine frühe Zuchtreife und ein hohes Lebensalter werden der Dank dafür sein.

Jungtiere werden wir grundsätzlich getrennt von den Eltern aufziehen. Nicht nur die Gefahr des Erdrückens oder gar des Gefressenwerdens durch grosse Artgenossen, vor allem auch andere Anforderungen an Unterbringung und Ernährung erfordern das. Häufig wird der Fehler begangen, Jungschlangen sogleich in relativ grossen Terrarien unterzubringen, die möglicherweise sogar reichlich bepflanzt sind und unzählige nicht kontrollierbare Unterschlupfmöglichkeiten bieten. Jungschlangen sind wahre Ausbruchskünstler. Millimeterbreite Spalten genügen, und wenn man nicht durch Zufall einen solchen Winzling wiederentdeckt, bleibt er hoffnungslos verschwunden. Der Züchter grosser Riesenschlangen hat da weniger Probleme mit seinen Jungtieren. Für die meisten Natternarten sind spezielle kleine Aufzuchtterrarien zu bauen. Bewährt haben sich batterieförmig aneinander- und übereinandergesetzte Kleinstbehälter, die für 3 bis 6 Jungtiere der meisten Arten nicht grösser als 20 x 30 cm in der Grundfläche zu sein brauchen. Für die Königsnattern (Lampropeltis) und andere ophiophagen Arten muss die Einzelhaltung dringendst angeraten werden. Nicht nur, dass selbst nach monatelanger Eintracht plötzlich ein gleich grosses Geschwistertier verschlungen wird - der gefrässige Partner geht oft selbst an der übergrossen Portion zugrunde. Auch für die Aufzucht von Giftschlangen ist Einzelhaltung angebracht, da es bei der Fütterung zu Beissereien mit Todesfolge kommen kann.

Die Einrichtung der Aufzuchtterrarien sollte möglichst einfach und leicht zugänglich sein. Kunstvoll aus Borke gestaltete Rückwände bieten zahllose Versteckmöglichkeiten, die die Kontrolle aller Jungtiere unmöglich machen. Aus Zement, Kunststoff oder ähnlichen Materialien aufgebaute Gestaltungselemente dürfen keinerlei Spalten und unkontrollierbare Winkel aufweisen. Damit die Jungschlangen trotzdem ihr Bedürfnis nach engen, Körperkontakt bietenden Verstecken befriedigen können, genügen Rindenstücke.

Die Tag- und Nachttemperaturen sollten für Jungschlangen etwas höher liegen als für ihre Eltern. Trink und Badewasser hat in einem flachrandigen Gefäss immer frisch und sauber zur Verfügung zu stehen. In grösseren, steilwandigen Wasserbehältern ertrinken selbst Wassernattern nach wenigen Stunden. Moos, an einer Stelle etwas feuchter, genügt in der Regel als Bodengrund, für gern grabende Arten geben wir lockere Erde, Torfmull oder Sand ins Terrarium. Jungschlangen vieler Arten liegen gern auf erhöhten Liegeflächen oder nicht zu dünnen Ästen.

Plötzliche Temperaturschwankungen und Zugluft sollten unbedingt vermieden werden. Jungschlangen sind empfindlicher gegen Erkältungen als ihre Eltern.

Die Aufzucht kann wohl schon als zur Hälfte geglückt gelten, wenn die Jungtiere das erste Futter freiwillig aufgenommen haben. Unser mangelhaftes Wissen über die natürlichen Beutetiere der Jungtiere der einzelnen Arten und letztendlich der Mangel an diesem Futter sind wohl das grösste Problem. Exotische Frosch- und Schwanzlurche könnten bei gut funktionierender Massenvermehrung noch als Futtertiere gezüchtet werden, eine produktive Echsenzucht für Futterzwecke ist kaum machbar.

Was bleibt, ist Ersatzfutter. Dieser Begriff soll keineswegs abwertend sein: Es handelt sich dabei meist um natürliche Nahrung, die aber in diesem Altersabschnitt und/oder von dieser Art in der Natur sonst nicht angenommen wird, jedoch als vollwertig anzusehen ist. So lassen sich viele Jungschlangen, die sich sonst vorwiegend von den in ihrem Biotop in grösserer Individuenzahl vorkommenden Echsenarten ernähren, von Anfang an auf nestjunge Mäuse prägen. Wenn man beobachtet, wie eine junge Kornnatter (Elaphe guttata) von kaum 25 cm Länge sich mit einem nur wenige Stunden alten winzigen Mäusebaby

abquält, wird deutlich, dass Jungschlangen dieser Grösse wohl kaum in der Natur an genügend nestjunge Mäuse in mundgerechter Grösse herankommen dürften. Inwieweit Jungschlangen der verschiedensten Arten Insekten annehmen würden, auch wenn sie nicht zu insektenfressenden Gattungen, wie die Zwergnattern (Eirenis) oder Grasnattern (Opheodrys), zählen, ist kaum bekannt. Es sollte bei futterverweigernden Jungschlangen versucht werden, ob sie nicht freiwillig frisch gehäutete Grillen, Wanderheuschrecken, Wachsmottenlarven und ähnliche terraristische Futterinsekten annehmen.

Absolute Störfreiheit und ein kleines Terrarium begünstigen die Futteraufnahme. Es scheint, dass eine häufige Begegnung mit der angebotenen Beute stimulierend wirkt, schliesslich doch zuzuschnappen. Für nachtaktive Jungschlangen wurde empfohlen, sie über Nacht einzeln zusammen mit der jungen Maus in eine Schachtel zu sperren: Der Erfolg bestätigte die Richtigkeit dieser Methode. Manche Jungschlangen scheinen Angst vor den sich mitunter heftig bewegenden Mäusen zu haben und ziehen tote Beute vor. Andere werden von dem der frischgetöteten Maus anhaftenden Blut besonders zur Nahrungsaufnahme stimuliert. Bei Fut.erverweigerung kann man die Bissigkeit vieler Jungschlangen ausnutzen, indem man das Tier in eine vorgehaltene abgetötete junge Maus beissen lässt. Zwar lässt es mehrfach nach dem Zupacken wieder los, aber schliesslich wird dann doch der Schluckreflex ausgelöst und die Beute hinabgewürgt. Und ist die Jungschlange vielleicht nicht aggressiv - ein häufiges Anstossen der Beute an die Schnauzenspitze wird sie schliesslich doch zum Zubeissen veranlassen.

Eine Pinzette gestattet es, tote Beute, die eventuell nicht angenommen würde, zu verfüttern oder bei Mangel an Jungmäusen Teile von getöteten älteren Mäusen, möglichst mit Knochen- und Fellteilchen, zu verabreichen.

Viele Schlangen, die Probleme bei der Aufzucht bereiten, nestjunge unbehaarte Mäuse verschmähen und unter Umständen gar zwangsernährt werden müssen, gehen dann an lebende Mäuse, wenn sie gross genug geworden sind, behaarte Jungmäuse, so genannte Springer, zu fassen und zu verschlingen. Die heftigen Bewegungen von Mäusen dieser Altersgruppe lösen den Fangreflex aus. Jungtiere vieler Riesenschlangenarten nehmen sogleich behaarte Jungmäuse ohne grössere Probleme an.

Meist verweigern nicht alle Jungtiere eines Geleges oder Wurfes die Futterannahme. Ob die übrigen auch in der Natur keine Beute machen würden, muss offen bleiben. Auf alle Fälle bewährt sich für diese Tiere wieder Einzelhaltung - nicht nur, weil sonst die Kontrolle der Futteraufnahme schwer möglich ist oder ihnen gefrässige Geschwister immer wieder die angebotene Jungmaus vorenthalten, sie sind vielleicht nur sensibler und werden durch robustere Mitbewohner immer wieder gestört. Bei gierigen Jungschlangen kommt es häufig zu gegenseitigen Beissereien und Würgereien. Gebissene und gar verletzte Tiere werden verschüchtert und verweigern erst recht die Futteraufnahme. So passiert es nicht selten, dass im Eifer des Futterfanges Artgenossen gepackt und verschlungen werden oder einfach Unfälle auftreten, wenn 2 Schlangen dieselbe Maus packen und das grössere Tier ausser der Maus auch die zweite Schlange gleich verschlingt. Eine Kontrolle der Fütterung ist deshalb immer angezeigt.

Wasserschlangen bereiten in der Regel weniger Probleme mit der ersten Futteraufnahme. So beginnen die lebendgebärenden Wassernattern der Gattungen Nerodia oder Thamnophis bereits am zweiten Lebenstag mit dem Fressen. Nun müssten winzige Fische zur Verfügung stehen, wofür eigentlich nur Aquarienfische in Frage kommen. Wenn man einen Zierfischzüchter kennt, wird man aus dessen Bestand unterentwickelte Exemplare oder Fische mit unerwünschten Farben oder Formen bekommen können. Viele lurchfressende Arten lassen sich mit Fischen ernähren, und wenn gar nichts klappen will, müssen wir auf im Terrarium vermehrte Frosch- und Schwanzlurche sowie deren Larven zurückgreifen. Glücklicherweise gehen die meisten Fisch- und Lurchfresser aber auch an toten Fisch, das heisst, auch an Streifen von frischen oder tiefgefrorenen und wieder aufgetauten Fischen. Junge Strumpfbandnattern (Thamnophis) nehmen schon als Erstfutter winzige Fischstückchen ohne Gräten und Schuppen aus einer Schale. Sie orientieren sich dabei mit dem Geruchssinn und finden die Futterschale sehr schnell. Das würde man nicht so ohne weiteres vermuten, dss die Fischfresser sonst mit dem Auge die im Wasser schwimmenden Fische oder Lurchlarven ausfindig machen müssen. Ein gutes Ergänzungsfutter für viele dieser Arten sind Gartenregenwürmer oder Teile davon in passender Grösse sowie kleine Nacktschnecken. Die alleinige Verfütterung von Regenwürmern kann nicht empfohlen werden. Auf die zu bevorzugenden Fischarten und die Aufwertung von Fischstückchen, die ohne Gräten und Innereien verabreicht werden, wurde schon verwiesen. Ergänzend zur Fischnahrung wird von vielen Individuen auch mageres Warmblüterfleisch, insbesondere Herzmuskelfleisch, gern genommen. In Streifen geschnitten und erforderlichenfalls zwischen die Fischstückchen gelegt, fressen es viele Wassernatternarten. Grössere Exemplare nehmen dann auch nestjunge Mäuse; dabei gibt es große individuelle und artbedingte Unterschiede. Ausgesprochene Lurchfresser lassen sich durch Verwitterung nestjunger Mäuse mit »Froscharoma« überlisten. So hat sich bei einem Terrarianer folgende Methode zur Fütterung junger afrikanischer Weisslippenschlangen (Crotaphopeltis hotamboeia) bewährt: Einige Frösche wurden in einer Küchenmaschine vollständig zerkleinert, der entstandene Brei mit Wasser verdünnt und in Formen für Getränkeeiswürfel eingefroren. Vor der Fütterung wurde ein Eiswürfel aufgetaut und die Flüssigkeit zum Bestreichen der nestjungen Mäuseverwendet. Nun nahmen die jungen Trugnattern die ungewohnte Beute an, schliesslich sogar ohne vorherige Verwitterung.

Mitunter helfen aber alle Tricks nichts: Die junge Schlange verweigert hartnäckig jede Nahrungsaufnahme, und wir sehen uns gezwungen, Zwangsfütterungen vorzunehmen. Damit sollte nicht zu früh begonnen werden. Jede Zwangsfütterung bedeutet Stress für das Tier und ist immer als Notlösung zu betrachten. Je grösser die Art und damit das Jungtier ist, um so später braucht die Zwangsfütterung einzusetzen. Bei mittelgrossen Kletternattern (Elaphe) sollten wenigstens 4 Wochen abgewartet werden. Welche Widerstandskraft frisch geschlüpfte Jungschlangen aufweisen können, soll das Beispiel einer kleinen Kornnatter (Elaphe guttata) des Autors zeigen. Das Tier war am fünften Lebenstag, also vor der ersten Häutung und vor der ersten Futteraufnahme, aus seinem Terrarium entwichen und nicht mehr auffindbar, obwohl es das Zimmer nicht verlassen konnte. Nach 11 Wochen wurde die Schlange unverhofft eines Morgens, am Boden kriechend, überrascht. Sie setzte sich gegen das Ergreifen heftig zur Wehr. Ins Terrarium zurückgesetzt, trank sie sehr ausgiebig. Unmittelbar nach der Wasseraufnahme frass sie eine nestjunge Maus.

Etwas rigoros mutet der Vorschlag an, Futterverweigernde Jungtiere ohne Fütterung in die Winterruhe zu bringen. Mit Pilotnattern (Elaphe obsoleta) wurde das mehrfach praktiziert; alle Jungtiere überstanden die Winterruhe gut und frassen im Frühjahr freiwillig.

Als bei der Zwangsfütterung zu verabreichende Nahrung kommen zunächst das natürliche Futter oder zumindest die Beutetiere in Frage, die die Geschwistertiere freiwillig aufnehmen: also beispielsweise nestjunge Mäuse oder Fisch. Bei vielen Arten gestaltet sich die Zwangsfütterung recht einfach. Sanft mit Daumen und Zeigefinger hinter dem Kopf gehalten, reißen die Jungtiere das Maul auf. Auch genügt vielfach ein Anstossen des Maules mit dem in einer abgerundeten Pinzette gehaltenen Futter. Legen wir nun das Futter ins Maul, wird zugebissen, und wenn wir Glück haben, beginnen nach einigen Versuchen kauende Schluckbewegungen. Im Weigerungsfall ist der Futterbrocken leicht in den Schlund zu schieben und das Tier ruhig abzulegen, mitunter setzt dann der Schluckreflex ein. Sollte das Futter immer wieder ausgespieen werden, ist es bis in die Magengegend, maximal bis etwa zur Körpermitte, zu massieren. Dazu halten wir die Jungschlange mit Daumen und Zeigefinger hinter dem Kopf und versuchen, das Tier mit den übrigen Fingern derselben Hand im vorderen Körperteil sanft gestreckt zu halten. Nestjunge Mäuse, durch leichten Pinzettendruck auf den Kopf zuvor abgetötet und zur Erhöhung der Gleitfähigkeit nass gemacht, werden am besten mit dem Bauch nach oben in den Schlund der Schlange eingeführt und, soweit es die Pinzette gestattet, nach hinten geschoben. Dann wird mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand die Maus von aussen ertastet und in Richtung Magen weiter geschoben. Dabei kann der Daumen von der Unterseite der Schlange her wirksam werden, der Zeigefinger drückt vom Rücken her dagegen, oder beide Finger massieren seitlich. Wenn die verabreichte Maus nicht zu gross war und sich die Jungschlange nicht zu sehr erregte, wird sie auch keine Würgeversuche unternehmen. Sollte sie trotzdem versuchen, das Futter wieder auszuwürgen, legen wir das Tier ins Wasserbecken; es muss dann schwimmen und unterlässt möglicherweise das Würgen. Fischfressende Schlangen sind einfacher zu stopfen. Bei jungen Riesenschlangen und für den in der Zwangsfütterung ungeübten Terrarianer kann es angebracht sein, dass eine Hilfsperson das Tier hält.

Etwas komplizierter wird die Zwangsfütterung, wenn sich dasTierweigert, das Maul zu öffnen. Bei winzigen Schlangenbabys kann ein kleiner, spitzer Pinsel, der in den Winkeln das Maul kitzelt, zum Öffnen Anlass geben. Anderenfalls muss das Maul mit einem flachen Hölzchen (abgeschrägtes Streichholz, Zahnstocher o. ä.), seitlich in die Maulspalte geschoben, vorsichtig geöffnet werden. Dann wird das Futter von vorn angesetzt, das Hölzchen langsam herausgezogen, und das Einführen des Futterbrockens kann beginnen.

Kleine Fische, wie Guppys, sind zur Zwangsfütterung auch solcher Schlangenarten gut geeignet, die normalerweise keinen Fisch fressen. So ist einer winzigen Kornnatter (Elaphe guttata) ein kleiner Fisch sehr einfach in den Schlund zu schieben. Als Behelfslösung bei Mangel an entsprechendem Futter kann, insbesondere bei sehr zarten Schlangen, auch die Zwangsfütterung mit Streifen mageren Fleisches angewendet werden. Das Fleisch ist in sehr dünne, aber genügend lange Streifen zu schneiden, die mit einem Multivitaminpräparat und Mineralstoffgemisch aufgewertet werden sollten. Mit besonderer Vorsicht ist beider Zwangsfütterung von Giftschlangen vorzugehen. So treten Unfälle beim Füttern der Jungtiere auf, wobei die Verletzungen häufig an den Fingern, insbesondere am Nagelbett, zu verzeichnen sind. Beim Halten der jungen Giftschlangen ist gut auf die mitunter über den Unterkiefer hinwegragenden Giftzähne zu achten.

Manche Jungschlangen bereiten bei der Zwangsfütterung selbst dem erfahrenen Pfleger Probleme. So gelang es dem Autor bei der Aufzucht nordamerikanischer Schlammnattern (Farancia abacura) nie, das Maul der Schlangenbabys genügend zu öffnen, um einen kleinen Fisch zu stopfen. Als Ausweichfütterung wurde aus Fischfleisch ohne Gräten ein Brei bereitet, der, mit Spuren von Vitaminen und Mineralstoffen versehen, in eine Injektionsspritze gefüllt wurde. In Portionen von 1 ml - später 2 bis 3 ml - wurde dieser Brei über eine Plastkanüle, wie sie der Tierarzt zur Zitzenbehandlung bei Kühen benutzt, tief in den Schlund der Jungschlange gedrückt. Bei grösseren Jungschlangen kann der Nahrungsbrei über einen dünnen Plast- oder Gummischlauch auch direkt im Magen abgesetzt werden. Die Fütterung mit Nahrungsbrei ist sehr effektiv, wenn eine grössere Anzahl von Jungtieren zwangsgefüttert werden muss. Viele Pfleger von Eierschlangen (Dasypeltis) ziehen die Jungschlangen nach dieser Methode mit Eidotter auf, wenn ihnen die erforderlichen winzigen Eier von Stubenvögeln fehlen.

Haben die Jungschlangen aus psychischen Gründen die Nahrung verweigert, werden oft wenige Zwangsfütterungen genügen, um sie zur ersten selbständigen Futteraufnahme zu bewegen. Dann ist der Bann gebrochen. Sind die Tiere nicht bereit, Austauschfutter zu akzeptieren, werden wir uns über Monate der Mühe einer Zwangsernährung unterziehen müssen. Trotz aller Bemühungen werden gestopfte Jungtiere in ihrer Entwicklung hinter ihren Artgenossen, die selbständig fressen, zurückbleiben. Auch die Fütterung von Fischfleisch ersetzt nicht die Verfütterung ganzer Fische.

Andererseits kann aber mit der Zwangsfütterung manche Schlange am Leben erhalten und herangezogen werden.

Die Häufigkeit der Fütterung hängt von der Verdauungsgeschwindigkeit ab, die bei Einzelhaltung an den ausgeschiedenen Exkrementen kontrolliert werden kann. Als Faustregel kann gelten, dass eine einmalige Futtergabe je Woche ausreicht. Gut fressende Tiere regeln diesen Rhythmus ohnehin selbständig, er wird nur durch die etwa monatlich eintretende Häutung mit ihrer Fresspause unterbrochen. Fischfresser verdauen schneller als Mäusefresser. Bei ihnen sind Futtergaben alle 2 bis 3 Tage erforderlich.

Das unter Terrarienbedingungen meist reichliche Futterangebot führt, verbunden mit hohen Temperaturen, zu einem rascheren Wachstum als in freier Wildbahn. Damit entsteht auch das Risiko von Mangelerscheinungen.

Auf eine direkte Sonnenbestrahlung oder Gaben künstlichen UV-Lichtes kann in der Regel verzichtet werden. Ein entsprechendes Vitaminpräparat genügt zu Vitamin-D3-Versorgung, und Kalk ist in den Knochen und Gräten der Futtertiere ausreichend vorhanden. Insektenfressende Schlangen oder Tiere, die ausschliesslich mit Regenwürmern ernährt werden, sind dagegen der Gefahr an Rachitis zu erkranken, stärker ausgesetzt. Hier empfiehlt sich das Pudern der Futtertiere mit einem Kalkpräparat oder die Verabreichung von wasserlöslichem Calciumlactat über das Tränkwasser.

Eine ausgewogene Ernährung einschliesslich gelegentlicher Futterpausen gewährleistet vitalere und widerstandsfähigere Tiere als in der Fütterung »getriebene« Exemplare. Letztere sind häufig verfettet und bereiten bei Vermehrungsversuchen trotz oder gerade wegen ihrer früheren Geschlechtsreife grosse Probleme.

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Stand: 19.04.2009