Bericht
über Haltung und Zucht
Vipera aspis
ist eine interessante und schöne Giftschlange, die der Verfasser über 8 Jahre
im Freiland und im Terrarium beobachtete und studierte. Ich werde in diesem
Bericht hauptsächlich über Zeichnung, Verbreitung, Haltung und Nachzucht von
der Alpenviper (Vipera aspis atra) berichten.
EINLEITUNG
Vipera aspis kommt nur in Mitteleuropa und Südwesteuropa
vor. Sie hat 5 Unterarten (event.6). Die Alpenviper
(Vipera aspis atra)
kommt in der Zentral- und Südschweiz und in Nordwestitalien nach Südostfrankreich
vor. Die Rediviper (Vipera aspis francisciredi) kommt in der südlichsten
Ecke der Schweiz vor, sowie in Nord- und Mittelitalien. In Süditalien und
Sizilien ist die Hugyviper (Vipera aspis hugy) verbreitet. Die Pyrenäenviper
(Vipera
aspis zinnikeri) ist in den französischen Pyrenäen und in Nordspanien
beheimatet. Die Nominatrasse (Vipera aspis aspis) ist in Frankreich, der Nord-
und Südwestschweiz und lokal im Schwarzwald, wo sie sehr selten zu finden ist,
verbreitet. Die Montecristi Viper (Vipera aspis montecristi) allerdings
wird nicht von allen Herpetologen anerkannt.
DIE FÜNF
ANERKANNTEN UNTERARTEN DER ASPISVIPERN
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Aspisviper
(Vipera aspis aspis)
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Alpenviper
(Vipera aspis atra)
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Rediviper
(Vipera aspis
francisciredi)
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Pyrenäenviper
(Vipera aspis zinnikeri)
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Hugyviper
(Vipera aspis hugy)
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Montecristo-Viper
(Vipera aspis montecristi)
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(wird nicht von allen
Herpetologen als eigene Art anerkannt)
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KENNZEICHEN
Die Aspisviper ist
eine gedrungen gebaute Giftschlange mit einem dreieckigen Kopf vom Körper
abgesetzt. Sie hat anders als die Kreuzotter (Vipera berus), eine aufgestülpte
Schnauzenspitze. Die Augen sind nicht groß. Im Licht sind die Augen zu einem
senkrechten Schlitz verengt. Es gibt verschiedene Farbtöne z.B. braune,
ziegelrote, steingraue und orangefarbene. In den hohen Gebirgslagen treten noch
stellenweise häufig schwarze Formen auf. Die Schwanzspitze kann gelblich bis
orangefarben sein. Die Bauchseite ist einfarbig oder dunkel gesprenkelt.
Meistens sind die Männchen länger und schlanker als die Weibchen und besitzen
die dunklere und kontrastreichere Zeichnung. Ein dunkles Schläfenband verbindet
das Auge mit dem Mundwinkel. Der Rücken besitzt zuweilen ein dunkles Zickzack-
oder Wellenband. Bei der Nominatform und der Rediviper kann aber auch ein Muster
von Querflecken und Ringen auftreten. Die Körpermitte wird von 21-23 Reihen
gekielter Schuppen umgeben. Zwischen 60-80cm besteht die Länge dieser
interessanten Viper.
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Man
beachte das für Aspisvipern typisch aufgestülpte Nasenschild
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LEBENSRAUM
Mit Vorliebe sind sie in Geröllhalden,
Legesteinmauern und feuchte, moorige Biotope Zuhause. Wie schon anfangs erwähnt,
will ich ausführlicher über die Alpenviper (Vipera aspis atra)
berichten. Der Lebensraum dieser Viper sind die steinigen Geröllhalden der
Schweizer Zentralalpen, Nord- und Mitteltessin. Die Alpenviper im etwa
100-200m ü.M. vorkommen.
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Vipera aspis atra
(Albino)
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IM FRÜHJAHR,
NACH DER ÜBERWINTERUNG
Ende März anfangs April kommen zuerst die Männchen und etwa drei
Wochen später die Weibchen zum Vorschein. Ich beobachtete mitte April die
ersten Paarungen, wo zuweilen die ersten Kommentkämpfe voraus gingen. Das raue Bergklima
veranlasste die Vipern ab und zu die warmen Sonnenplätze zu
verlassen. Wenn die Sonne schien hatte es eine Temperatur von 12-14 Grad. Auf
den Steinen aber ging die Temperatur auf 23-28 Grad. Auf einer Höhe von ca.
1400m hatte es noch Reste von Schneefirnen, aber nur auf der Nordseite. Der Südhang
war völlig schneefrei, wo sich die Vipern vornehmlich aufhielten. Die Männchen
nehmen die Duftspuren der Weibchen auf. Sobald sie ein Weibchen entdeckt haben,
fangen sie an zu zucken und heftig mit dem Körper zu drücken. Meistens nimmt
das Weibchen reissaus und flieht vor dem Männchen. Das Männchen nimmt darauf
die Verfolgung auf. Nach einer Weile aber hat das Männchen Erfolg.
NACH DER
PAARUNGSZEIT
Wenn die Paarungszeit vorbei ist, fängt die Jagd an. Die Männchen
ziehen etwa 200m unterhalb ihrer Überwinterungsquartiere und suchen nach Kleinsäuger
oder Echsen. Die Weibchen hingegen bleiben näher bleiben näher bei den
Winterquartieren. Sie sonnen sich hauptsächlich und gehen nur noch selten zur
Jagd. Ich beobachtete, dass die Weibchen, die sich sonnten nicht wie Kreuzotter
(Vipera
berus) die Bauchrippen abflachen können. Im Frühjahr beobachtete ich
innerhalb 1 Stunde etwa 13 adulte Vipern, bei Temperaturen um die 20-22 Grad
Celsius. In den Sommermonaten findet man bedeutend weniger Aspisvipern, wo
darauf zu führen ist, dass es in den Geröllhalden sehr heiß wird. Ich habe
Temperaturen gemessen, bis zu 48 Grad Celsius. In den Felsspalten, etwa 50-80
cm, maß ich eine angenehme Temperatur von 25-27 Grad Celsius. Die Weibchen, wie
die Männchen, wenn sie erwärmt sind, sehr reaktionsschnell. Am frühen Morgen,
um etwa 6:oo Uhr bis 8:3o Uhr beobachtete ich noch einzelne Tiere beim Sonnenbad
in den heißen Sommermonaten. Mitte bis Ende August werden die Weibchen unruhig
und wandern pausenlos umher. Danach kriechen sie in eine Felsspalte und gebären
ihre Jungen. Leider konnte ich die Geburt nie im Freiland beobachten. Die
Weibchen sind nach dem gebären sehr erschöpft. Sie sehen sehr faltig und mager
aus. Jetzt kommt die Zeit, wo die Weibchen sich wieder Fettreserven anschaffen müssen.
Die Weibchen sind in der Natur nur alle 2 Jahre produktiv. Im Terrarium wiederum
praktisch jedes Jahr. Die Männchen sind meistens früher in der Überwinterung
als die Weibchen.
TERRARIUM UND ÜBERWINTERUNG
Bei einem Händler konnte ich 3 Jungtiere erwerben (1 Männchen und 2
Weibchen). Das Männchen hat eine intensive Kopfzeichnung und ein schwarzes
Wellenband auf hellgrauem Untergrund. Die beiden Weibchen haben mehr eine
blasse, unscheinbare Zeichnung mit hellbraunem Wellenband. Mit zunehmendem
Wachstum, etwa mit 1 bis 2 Jahren, erwies sich, dass ein Weibchen sehr dunkel
und dann gänzlich schwarz wurde. Sie wurden in ein gut durchlüfteten Behälter
untergebracht. Die Masse des Terrariums sind 80cm die Länge, 50cm die Tiefe und
50cm die Höhe. Das Substrat ist ein Gemisch von Lauberde und Sand. Es wurden
flache Steinplatten zu einem Versteck aufgeschichtet. Die Temperaturen im Behälter
ist am Tage auf 25-32 Grad Celsius und in der Nacht auf 18-22 Grad Celsius
eingestellt. Die Dauer der Beleuchtung beträgt zwischen 10-12 Stunden. Alle 3
Vipern fraßen bei mir nackte Mäuse und Hühnerkükenflügel. Mit einem Alter
von 3 Jahren und einer Länge von ca. 65-75cm wurden sie bei einer Temperatur
von plus 4-7 Grad Celsius das erste Mal überwintert. Nach 3 Monaten (Dezember-März)
wurden die Vipern wieder in das Gemeinschaftsterrarium zusammen gebracht. Das Männchen
nahm noch keine Nahrung zusich, wovon die Weibchen nach einer Woche die erste
Maus zusich nahmen.
PAARUNGEN
UND NACHZUCHT
Nach der ersten Häutung des Männchens, etwa 3 Wochen nach der
Überwinterung, führte es zuckende und rhythmische Bewegungen am schwarzen
Weibchen aus. Etwa 2 Stunden dauerte das Vorspiel, bis es am 14. April 1991 zur
Paarung kam, die 3 Stunden dauerte. Danach nahm das Männchen eine kleine Maus
zusich. Das Männchen nahm insgesamt 56 Mäuse im Jahr auf. Einen Monat bevor
die Jungen zur Welt kamen, nahm das Weibchen keine Nahrung mehr an. Am 4. August
1991 gebar das schwarze Weibchen 6 Jungtiere, wovon eine tot geboren und 2
Wachseier waren. Unmittelbar nach der Geburt häuten sich die Jungen zum ersten
mal.
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AUFZUCHT DER
JUNGTIERE
Die Jungtiere maßen 18-22cm und wogen zwischen 6,8-8,1g. Leider fraßen die
Jungtiere anfangs keine nackten Mäuse. Ich stopfte die kleinen Vipern mit
Rinderherzstreifen. Eine Woche danach probierte ich es mit Hühnerkükenflügel,
die ich zuvor entfederte, da die Jungen den Flaum nicht gut verdauten. Diese
Technik hatte ich zuvor an meinen Indischen Kobras (Jungtiere) mit bestem Erfolg
ausprobiert. Im laufe von 1-2 Jahren färbten sich drei von den sechs Jungtieren
schwarz. Die Geschlechter waren zwei Männchen (Ein schwarz gefärbtes Tier) und
vier Weibchen (Drei schwarz gefärbte Tiere). Die Beobachtungen in freier
Wildbahn ergaben, dass mehr Weibchen Schwarzfärbungen aufwiesen als Männchen,
das auch P. Brodmann im Buch Giftschlangen Europas erwähnte.
DIE
ERFAHRUNG ÜBER EIN ASPISVIPERNBISS
Ich hatte am Abend des 7. Septembers 1988 eine Jungviper mit
Rinderherzstreifen zwangsernährt. Die Rinderherzstreifen befanden sich in einer
Schale, die bis ein Viertel mit Wasser gefüllt war. Danach streute ich das
Vitaminpulver (Nekton-Rep) über die Fleisch- streifen. Ich nahm die Viper
zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand und die Pinzette mit der rechten
Hand. Beim zweiten Rinderherzstreifen fing die Viper an sich zu sträuben. Da
der Zeigefinger vom Rinderherzwasser feucht wurde und ich den Druck ein wenig
nachließ, konnte sich die Viper mit dem Kopf drehen. Der linke Giftzahn der
kleinen Viper drang in meinen linken Zeigefinger. Mit ruhiger Hand brachte ich
das Tier in den Behälter zurück. Danach drückte und massierte ich den Finger,
damit das Gift zum größten Teil mit dem Blut aus der Wunde trat. Ich hatte,
bevor ich mich mit Giftschlangen befasste, den Rasterschiessapparat VENOM-EX bei
Herrn A. Birchmeier (Wyden AG) gekauft. Dieses Gerät besitzt sechs
messerscharfe Klingen. Ich band den Arm oberhalb der Bissstelle ab. Vier bis fünf
mal schoss ich in den Zeigefinger. Das Blut, dass aus den Schnittwunden austrat,
sog ich mit einer Spritze, die vorne mit einer Saugglocke ausgerüstet war,
raus.
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Giftentnahme einer Alpenviper
in einem Seruminstitut |
Mit Merfen desinfizierte ich die Wunde. Der Finger schwoll fast
um das doppelte an und der Handrücken verfärbte sich rötlich. Nach drei
Stunden hatte sich die Bissstelle dunkelblau verfärbt. Ich wickelte den Finger
in Kohlblätter ein. Am nächsten Tag war der Finger immer noch sehr
geschwollen, aber der Handrücken hatte wieder die normale Färbung. Den Finger
tauchte ich alle vier Stunden in Kamillenbad. Mit Kongosalbe, das ist eine
Zugsalbe die ich in der Apotheke kaufte, verband ich den Finger über Nacht.
Nach 3-4 Tagen war der Finger nur noch leicht geschwollen. Die Bissstelle fing
an sehr zu jucken (Ein Zeichen zur Besserung). Am achten Tag nahm ich die Arbeit
wieder auf. Die Aspisviper hat ein Blut und Gewebe zerstörendes Gift. Diese Art
gehört nicht zu den giftigsten Vipern und kann einen gesunden und kräftigen
Menschen meiner Meinung nach nicht töten. Das wichtigste bei einem Schlangenbiss
ist, absolute Ruhe zu bewahren und auf keinen Fall Alkohol oder sonstige
aufputschende Mittel trinken. Ich hatte sehr viel Tee getrunken (literweise).

Der
Autor:
W. Strassmann

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Stand: 19.04.2009