Bericht Alpenviper Bericht Chin. Nasenotter Bericht Kapkobra Bericht Urwald-Todesotter

Dieser Bericht wurde im Reptilia Magazin Nr. 20 in der Ausgabe vom Dezember/Januar 1999/2000 veröffentlicht.

Bericht über Haltung und Zucht

Vipera aspis ist eine interessante und schöne Giftschlange, die der Verfasser über 8 Jahre im Freiland und im Terrarium beobachtete und studierte. Ich werde in diesem Bericht hauptsächlich über Zeichnung, Verbreitung, Haltung und Nachzucht von der Alpenviper (Vipera aspis atra) berichten.

EINLEITUNG

Vipera aspis kommt nur in Mitteleuropa und Südwesteuropa vor. Sie hat 5 Unterarten (event.6). Die Alpenviper (Vipera aspis atra) kommt in der Zentral- und Südschweiz und in Nordwestitalien nach Südostfrankreich vor. Die Rediviper (Vipera aspis francisciredi) kommt in der südlichsten Ecke der Schweiz vor, sowie in Nord- und Mittelitalien. In Süditalien und Sizilien ist die Hugyviper (Vipera aspis hugy) verbreitet. Die Pyrenäenviper (Vipera aspis zinnikeri) ist in den französischen Pyrenäen und in Nordspanien beheimatet. Die Nominatrasse (Vipera aspis aspis) ist in Frankreich, der Nord- und Südwestschweiz und lokal im Schwarzwald, wo sie sehr selten zu finden ist, verbreitet. Die Montecristi Viper (Vipera aspis montecristi) allerdings wird nicht von allen Herpetologen anerkannt.

DIE FÜNF ANERKANNTEN UNTERARTEN DER ASPISVIPERN

 

Aspisviper

(Vipera aspis aspis)

Alpenviper

(Vipera aspis atra)

Rediviper

(Vipera aspis francisciredi)

Pyrenäenviper

(Vipera aspis zinnikeri)

 

Hugyviper

(Vipera aspis hugy)

Montecristo-Viper (Vipera aspis montecristi)

(wird nicht von allen Herpetologen als eigene Art anerkannt)

KENNZEICHEN

Die Aspisviper ist eine gedrungen gebaute Giftschlange mit einem dreieckigen Kopf vom Körper abgesetzt. Sie hat anders als die Kreuzotter (Vipera berus), eine aufgestülpte Schnauzenspitze. Die Augen sind nicht groß. Im Licht sind die Augen zu einem senkrechten Schlitz verengt. Es gibt verschiedene Farbtöne z.B. braune, ziegelrote, steingraue und orangefarbene. In den hohen Gebirgslagen treten noch stellenweise häufig schwarze Formen auf. Die Schwanzspitze kann gelblich bis orangefarben sein. Die Bauchseite ist einfarbig oder dunkel gesprenkelt. Meistens sind die Männchen länger und schlanker als die Weibchen und besitzen die dunklere und kontrastreichere Zeichnung. Ein dunkles Schläfenband verbindet das Auge mit dem Mundwinkel. Der Rücken besitzt zuweilen ein dunkles Zickzack- oder Wellenband. Bei der Nominatform und der Rediviper kann aber auch ein Muster von Querflecken und Ringen auftreten. Die Körpermitte wird von 21-23 Reihen gekielter Schuppen umgeben. Zwischen 60-80cm besteht die Länge dieser interessanten Viper.

Man beachte das für Aspisvipern typisch aufgestülpte Nasenschild


LEBENSRAUM

Mit Vorliebe sind sie in Geröllhalden, Legesteinmauern und feuchte, moorige Biotope Zuhause. Wie schon anfangs erwähnt, will ich ausführlicher über die Alpenviper (Vipera aspis atra) berichten. Der Lebensraum dieser Viper sind die steinigen Geröllhalden der Schweizer Zentralalpen, Nord- und Mitteltessin. Die Alpenviper im etwa 100-200m ü.M. vorkommen.  

 

Vipera aspis atra (Albino)

IM FRÜHJAHR, NACH DER ÜBERWINTERUNG

Ende März anfangs April kommen zuerst die Männchen und etwa drei Wochen später die Weibchen zum Vorschein. Ich beobachtete mitte April die ersten Paarungen, wo zuweilen die ersten Kommentkämpfe voraus gingen. Das raue Bergklima veranlasste die Vipern ab und zu die warmen Sonnenplätze zu verlassen. Wenn die Sonne schien hatte es eine Temperatur von 12-14 Grad. Auf den Steinen aber ging die Temperatur auf 23-28 Grad. Auf einer Höhe von ca. 1400m hatte es noch Reste von Schneefirnen, aber nur auf der Nordseite. Der Südhang war völlig schneefrei, wo sich die Vipern vornehmlich aufhielten. Die Männchen nehmen die Duftspuren der Weibchen auf. Sobald sie ein Weibchen entdeckt haben, fangen sie an zu zucken und heftig mit dem Körper zu drücken. Meistens nimmt das Weibchen reissaus und flieht vor dem Männchen. Das Männchen nimmt darauf die Verfolgung auf. Nach einer Weile aber hat das Männchen Erfolg.

NACH DER PAARUNGSZEIT

Wenn die Paarungszeit vorbei ist, fängt die Jagd an. Die Männchen ziehen etwa 200m unterhalb ihrer Überwinterungsquartiere und suchen nach Kleinsäuger oder Echsen. Die Weibchen hingegen bleiben näher bleiben näher bei den Winterquartieren. Sie sonnen sich hauptsächlich und gehen nur noch selten zur Jagd. Ich beobachtete, dass die Weibchen, die sich sonnten nicht wie Kreuzotter (Vipera berus) die Bauchrippen abflachen können. Im Frühjahr beobachtete ich innerhalb 1 Stunde etwa 13 adulte Vipern, bei Temperaturen um die 20-22 Grad Celsius. In den Sommermonaten findet man bedeutend weniger Aspisvipern, wo darauf zu führen ist, dass es in den Geröllhalden sehr heiß wird. Ich habe Temperaturen gemessen, bis zu 48 Grad Celsius. In den Felsspalten, etwa 50-80 cm, maß ich eine angenehme Temperatur von 25-27 Grad Celsius. Die Weibchen, wie die Männchen, wenn sie erwärmt sind, sehr reaktionsschnell. Am frühen Morgen, um etwa 6:oo Uhr bis 8:3o Uhr beobachtete ich noch einzelne Tiere beim Sonnenbad in den heißen Sommermonaten. Mitte bis Ende August werden die Weibchen unruhig und wandern pausenlos umher. Danach kriechen sie in eine Felsspalte und gebären ihre Jungen. Leider konnte ich die Geburt nie im Freiland beobachten. Die Weibchen sind nach dem gebären sehr erschöpft. Sie sehen sehr faltig und mager aus. Jetzt kommt die Zeit, wo die Weibchen sich wieder Fettreserven anschaffen müssen. Die Weibchen sind in der Natur nur alle 2 Jahre produktiv. Im Terrarium wiederum praktisch jedes Jahr. Die Männchen sind meistens früher in der Überwinterung als die Weibchen.

TERRARIUM UND ÜBERWINTERUNG

Bei einem Händler konnte ich 3 Jungtiere erwerben (1 Männchen und 2 Weibchen). Das Männchen hat eine intensive Kopfzeichnung und ein schwarzes Wellenband auf hellgrauem Untergrund. Die beiden Weibchen haben mehr eine blasse, unscheinbare Zeichnung mit hellbraunem Wellenband. Mit zunehmendem Wachstum, etwa mit 1 bis 2 Jahren, erwies sich, dass ein Weibchen sehr dunkel und dann gänzlich schwarz wurde. Sie wurden in ein gut durchlüfteten Behälter untergebracht. Die Masse des Terrariums sind 80cm die Länge, 50cm die Tiefe und 50cm die Höhe. Das Substrat ist ein Gemisch von Lauberde und Sand. Es wurden flache Steinplatten zu einem Versteck aufgeschichtet. Die Temperaturen im Behälter ist am Tage auf 25-32 Grad Celsius und in der Nacht auf 18-22 Grad Celsius eingestellt. Die Dauer der Beleuchtung beträgt zwischen 10-12 Stunden. Alle 3 Vipern fraßen bei mir nackte Mäuse und Hühnerkükenflügel. Mit einem Alter von 3 Jahren und einer Länge von ca. 65-75cm wurden sie bei einer Temperatur von plus 4-7 Grad Celsius das erste Mal überwintert. Nach 3 Monaten (Dezember-März) wurden die Vipern wieder in das Gemeinschaftsterrarium zusammen gebracht. Das Männchen nahm noch keine Nahrung zusich, wovon die Weibchen nach einer Woche die erste Maus zusich nahmen.

PAARUNGEN UND NACHZUCHT

  Nach der ersten Häutung des Männchens, etwa 3 Wochen nach der Überwinterung, führte es zuckende und rhythmische Bewegungen am schwarzen Weibchen aus. Etwa 2 Stunden dauerte das Vorspiel, bis es am 14. April 1991 zur Paarung kam, die 3 Stunden dauerte. Danach nahm das Männchen eine kleine Maus zusich. Das Männchen nahm insgesamt 56 Mäuse im Jahr auf. Einen Monat bevor die Jungen zur Welt kamen, nahm das Weibchen keine Nahrung mehr an. Am 4. August 1991 gebar das schwarze Weibchen 6 Jungtiere, wovon eine tot geboren und 2 Wachseier waren. Unmittelbar nach der Geburt häuten sich die Jungen zum ersten mal.

Animation der Geburt einer Vipera aspis atra

AUFZUCHT DER JUNGTIERE

Die Jungtiere maßen 18-22cm und wogen zwischen 6,8-8,1g. Leider fraßen die Jungtiere anfangs keine nackten Mäuse. Ich stopfte die kleinen Vipern mit Rinderherzstreifen. Eine Woche danach probierte ich es mit Hühnerkükenflügel, die ich zuvor entfederte, da die Jungen den Flaum nicht gut verdauten. Diese Technik hatte ich zuvor an meinen Indischen Kobras (Jungtiere) mit bestem Erfolg ausprobiert. Im laufe von 1-2 Jahren färbten sich drei von den sechs Jungtieren schwarz. Die Geschlechter waren zwei Männchen (Ein schwarz gefärbtes Tier) und vier Weibchen (Drei schwarz gefärbte Tiere). Die Beobachtungen in freier Wildbahn ergaben, dass mehr Weibchen Schwarzfärbungen aufwiesen als Männchen, das auch P. Brodmann im Buch Giftschlangen Europas erwähnte.

DIE ERFAHRUNG ÜBER EIN ASPISVIPERNBISS

  Ich hatte am Abend des 7. Septembers 1988 eine Jungviper mit Rinderherzstreifen zwangsernährt. Die Rinderherzstreifen befanden sich in einer Schale, die bis ein Viertel mit Wasser gefüllt war. Danach streute ich das Vitaminpulver (Nekton-Rep) über die Fleisch- streifen. Ich nahm die Viper zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand und die Pinzette mit der rechten Hand. Beim zweiten Rinderherzstreifen fing die Viper an sich zu sträuben. Da der Zeigefinger vom Rinderherzwasser feucht wurde und ich den Druck ein wenig nachließ, konnte sich die Viper mit dem Kopf drehen. Der linke Giftzahn der kleinen Viper drang in meinen linken Zeigefinger. Mit ruhiger Hand brachte ich das Tier in den Behälter zurück. Danach drückte und massierte ich den Finger, damit das Gift zum größten Teil mit dem Blut aus der Wunde trat. Ich hatte, bevor ich mich mit Giftschlangen befasste, den Rasterschiessapparat VENOM-EX bei Herrn A. Birchmeier (Wyden AG) gekauft. Dieses Gerät besitzt sechs messerscharfe Klingen. Ich band den Arm oberhalb der Bissstelle ab. Vier bis fünf mal schoss ich in den Zeigefinger. Das Blut, dass aus den Schnittwunden austrat, sog ich mit einer Spritze, die vorne mit einer Saugglocke ausgerüstet war, raus.

 Giftentnahme einer Alpenviper in einem Seruminstitut

Mit Merfen desinfizierte ich die Wunde. Der Finger schwoll fast um das doppelte an und der Handrücken verfärbte sich rötlich. Nach drei Stunden hatte sich die Bissstelle dunkelblau verfärbt. Ich wickelte den Finger in Kohlblätter ein. Am nächsten Tag war der Finger immer noch sehr geschwollen, aber der Handrücken hatte wieder die normale Färbung. Den Finger tauchte ich alle vier Stunden in Kamillenbad. Mit Kongosalbe, das ist eine Zugsalbe die ich in der Apotheke kaufte, verband ich den Finger über Nacht. Nach 3-4 Tagen war der Finger nur noch leicht geschwollen. Die Bissstelle fing an sehr zu jucken (Ein Zeichen zur Besserung). Am achten Tag nahm ich die Arbeit wieder auf. Die Aspisviper hat ein Blut und Gewebe zerstörendes Gift. Diese Art gehört nicht zu den giftigsten Vipern und kann einen gesunden und kräftigen Menschen meiner Meinung nach nicht töten. Das wichtigste bei einem Schlangenbiss ist, absolute Ruhe zu bewahren und auf keinen Fall Alkohol oder sonstige aufputschende Mittel trinken. Ich hatte sehr viel Tee getrunken (literweise).

Der Autor: W. Strassmann

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Stand: 19.04.2009