HALTUNG UND ZUCHT
ZUSAMMENFASSUNG
Deinagkistrodon acutus (GÜNTHER, 1888) ist eine interessante und schöne Giftschlange, die der Verfasser über 12 Jahre im Terrarium pflegte, beobachtete und studierte. Ich werde in diesem Bericht hauptsächlich über Zeichnung, Verbreitung, Haltung und Nachzucht berichten.
Verbreitung
Sie ist in Anhwei, Kiangsi, Kweichow, Sechuan beheimatet, und kommt möglicherweise in Yunnan, Hupeh, Hunan, Chekiang, Fukien und Kwantung, sowie in Nordvietnam und in Zentral- und Südtaiwan vor.
KENNZEICHEN
Die Chinesische Nasenotter ist eine nicht allzu gedrungene Grubenotter mit auffällig breitem und flachem Kopf, dessen Oberseite mit grossen Schuppenschildern versehen ist. Die Schnauze ist zu einem weichen, hornförmigen Gebilde ausgezogen. Die Grundfärbung ist grau bis rötlichbraun, die Musterung besteht aus je einer Reihe dunkler, dreieckiger Seitenflecken, die z. T. alternierend angeordnet sind, z. T. sich am Rücken berühren und sanduhrartige Sattelflecken bilden. Die dunkle Färbung der Kopfoberseite ist durch einen schmalen braunschwarzen Streifen von den hellen Kopfseiten abgegrenzt. Ältere Exemplare werden meist sehr dunkel. Diese Art wird bis 1,20 m, in Ausnahmefällen auch bis 1,50 m lang.
Chinesische Nasenottern sind vorwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv und verbringen den Tag zusammengerollt in der Laubschicht am Waldboden, zwischen verrottendem Holz etc., wo sie durch ihre Zeichnung und Färbung kaum zu erkennen sind. Sie ernähren sich vorwiegend von kleinen Säugetieren und Vögeln; Frösche werden ebenfalls gefressen. Deinagkistrodon acutus (GÜNTHER, 1888) gehört, wie Calloselasma rhodostoma (Boie, 1827) zu den eierlegenden Vertretern der asiatischen Grubenottern. Ein Gelege umfasst bis zu 26 Eier, die möglicherweise in fortgeschrittenem Entwicklungszustand abgelegt werden. Jungschlangen sind deutlich heller und kontrastreicher gefärbt als erwachsene Tiere.
LEBENSRAUM
Deinagkistrodon acutus (GÜNTHER, 1888) ist in Höhenlagen von 1500 m anzutreffen. Sie ist eine ausgesprochene Bewohnerin dicht bewaldeter Bergregionen und von Geröllhalden durchsetzter Schluchten. Sie lebt zwischen Felsbrocken, in der Vegetation, die die Ufer von Flüssen und Strömen überwächst, und scheut auch die Nähe menschlicher Ansiedlungen nicht. Bei Gefahr flieht die Chinesische Nasenotter zuweilen ins Wasser, wo sie sich als geschickte Schwimmerin erweist. Je nach den Umweltbedingungen ist diese grosse Grubenotter weitgehend standorttreu.
Haltung
Diese Art gelangt nicht häufig in den Besitz westlicher Terrarianer. Einer der Gründe mag darin liegen, dass Deinagkistrodon acutus (GÜNTHER, 1888) eine prominente Rolle in der traditionellen chinesischen Medizin spielt und dort bei großer Nachfrage zu hohen Preisen gehandelt wird. Importierte Exemplare sind meist stark dehydriert und/oder mit Darmparasiten befallen und bedürfen der Diagnostik und Behandlung durch einen Tierarzt mit Reptilienerfahrung. Für diese Art sind große Behälter nötig, deren Boden von einer dicken Laubschicht bedeckt sein sollte; zusätzliche Versteckmöglichkeiten und Trinkwasser sind ebenfalls wichtig. Die Temperatur sollte mit bis zu 24 °C am Tage (und nächtlicher Abkühlung) nicht zu hoch sein. Ähnlich, aber bei entsprechend höheren Temperaturen, lässt sich Calloselasma rhodostoma (Boie, 1827) halten.
Die hornartige Verlängerung der Schnauzenspitze ist bei Deinagkistrodon acutus (GÜNTHER, 1888) schräg nach oben gerichtet. Derartige Gebilde kommen nicht selten bei bodenlebenden Vipern und Grubenottern vor; über ihre Funktion gibt es nur Vermutungen. Sie verlangt einen geräumigen Behälter, dessen Inneneinrichtung mit einem mit vertrocknetem Fall-Laub bedeckten Bodengrund dem Fundort entsprechen sollte. Als Versteck eignen sich einige größere Steine, die man übereinander schichtet, und ein Baumstubben. Eine Bodenheizung erübrigt sich, nicht jedoch das Trinkgefäss mit stets frischem Wasser. Einige in ein Plastikgefäss eingesetzte Brombeerranken sind als Bepflanzung sehr brauchbar. Im Gegensatz zu Blumentöpfen aus Ton haben Plastikgefässe die Eigenschaft, die Feuchtigkeit zu halten, die als Grundlage für ein normales Pflanzenwachstum unentbehrlich ist. Darüber hinaus ist für die Schlangen eine gewisse Bodenfeuchtigkeit durchaus notwendig. Auch sollte zwei bis dreimal wöchentlich leicht angewärmtes Wasser versprüht werden. Das Terrarium sollte hell stehen oder am Tage zehn bis zwölf Stunden lang künstlich beleuchtet werden. Deinagkistrodon acutus (GÜNTHER, 1888) ist gegen hohe Temperaturen empfindlich. Sie sollte am Tage bei einer Temperatur zwischen 20° und 24°C gehalten werden und in der Nacht etwas kühler. Sie wird erst am Abend und in der Nacht aktiv und kriecht umher. In Anlehnung an das nachtaktive Verhalten von Deinagkistrodon acutus (GÜNTHER, 1888) stellt die Dämmerung die beste Fütterungszeit dar. Als Futter bietet man Mäuse und kleine Ratten, die meist in der Nacht verzehrt werden. Frisch getötete Beutetiere werden oftmals bevorzugt. Lebende Beutetiere werden nach einem blitzschnellen Biss freigelassen, und der schnell eintretende Tod wird abgewartet.
TERRARIUM UND ÜBERWINTERUNG
Ich konnte von meinem Freund G. Faoro 2 Chinesische Nasenottern erwerben (1 Männchen und 1 Weibchen). Sie wurden in ein gut durchlüftetes Terrarium untergebracht. Die Masse des Terrariums waren 150 cm die Länge, 60 cm die Tiefe und 60 cm die Höhe. Das Substrat ist ein Gemisch von Lauberde und Sand. Es wurden flache Steinplatten zu einem Versteck aufgeschichtet. Die Temperaturen im Behälter sind am Tage auf 22 - 26 °C eingestellt. In der Nacht fällt die Temperatur auf 18 - 22 °C. Die Dauer der Beleuchtung beträgt zwischen 10 - 12 Stunden. Beide Ottern frassen bei mir erwachsene Mäuse. Mit einem Alter von 3 Jahren und einer Länge von ca. 110 cm (Männchen) und 120 cm (Weibchen) wurden sie bei einer Temperatur von plus 15 - 18 °C das erste Mal überwintert. Nach 3 Monaten (Dez.- März) wurden die Vipern in das Gemeinschaftsterrarium zusammen gebracht. Das Männchen nahm noch keine Nahrung zusich, wovon das Weibchen nach einer Woche die erste Maus zusich nahm.
PAARUNGEN UND NACHZUCHT
Deinagkistrodon acutus (GÜNTHER, 1888) wurde schon mehrfach unter Obhut des Menschen vermehrt. Diese imposanten Grubenottern hatten in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai sowie abends am 21., am 23., am 31. Mai, ausserdem am 25. und 26. Juni Paarungsversuche. Dabei kroch das Männchen zuckend und in Windungen über das Weibchen und bezüngelte es intensiv im Bereich der Kopfgegend. Immer wieder floh das Weibchen schnell. Das Männchen folgte dem fliehenden Weibchen ebenso schnell.
Die Paarungen fanden am 4. und 14. Mai statt. Die Tiere, die in entgegen gesetzter Richtung lagen, hatten mit den Kloaken Kontakt. Mit zuckenden Bewegungen hing das Männchen mit seinem Hemipenis an dem Weibchen. Die beobachtete Paarung dauerte von 17.30 bis 19.30 Uhr. Am 12. Juli lag das Weibchen zusammengerollt mit 17 Eiern.
Während des Brutvorganges nahm das Weibchen Mäuse als Futter an. Die leicht faltigen und schmutzigweißen Eier hatten Ausmaße von ca. 50-60 mm x 25-30 mm.
Nach einer überaus kurzen Entwicklungsdauer von nur 11 Tagen schlitzten drei Jungschlangen am Morgen des 23. Juli die Eischalen auf. Am 23. Juli waren 12 junge Deinagkistrodon acutus (GÜNTHER, 1888) geschlüpft. Fünf Embryonen waren im Ei abgestorben.
AUFZUCHT DER JUNGTIERE
Die jungen Ottern waren ca. 25 cm lang. Sämtliche Jungschlangen sollten möglichst einzeln aufgezogen werden. Alle Jungschlangen kommen separat in eine Aufzuchtbox mit den Massen: 40 cm x 30 cm x 30 cm. Jede Aufzuchtbox ist mit Haushaltpapier, einer Tonschale und einem Wassergefäss ausgerüstet. Die Tonschale hält die Feuchtigkeit sehr gut. Die ersten Häutungen erfolgten ca. nach 10 Tagen. Drei Tage danach frassen alle Jungschlangen selbständig nestjunge Mäuse. Ich fütterte die jungen Deinagkistrodon acutus (GÜNTHER, 1888) wöchentlich mit einer nackten Maus. Bei guter Fütterung erreichen die jungen Chinesischen Nasenottern ca. einem Jahr eine Grösse von 50 cm.
Das Gift und die Giftwirkung von Deinagkistrodon acutus
Chinesische Nasenottern sind bei Störungen leicht erregbar und beißen meist ohne langes Zögern zu. Ihr in großen Mengen injiziertes Gift ähnelt dem der Malaien-Mokassinschlange und ist auch beim Menschen äußerst wirksam; es führt zu ausgedehnten Hämorrhagien (Gewebsblutungen) und Verdauungsvorgängen um die Bissstelle, so dass großflächiges Absterben von Gewebe (Nekrosen) eine häufige Bissfolge darstellt. Weiterhin enthält das Gift Bestandteile, die den Blutgerinnungsmechanismus zerstören, so dass unstillbare Blutungen der Schleimhäute und der inneren Organe auftreten können. Unbehandelte Bisse dieser Art verlaufen zu einem erheblichen Prozentsatz tödlich. In Taiwan wird ein wirksames Antiserum produziert. Wie es bei vielen gefährlichen Tierarten der Fall ist, ranken sich auch um die Chinesische Nasenotter in ihrer Heimat zahlreiche Mythen. In manchen Gegenden wird sie als „Hundert-Schritt-Schlange” bezeichnet, was wohl zu bedeuten hat, dass der Gebissene nur noch hundert Schritte zurückzulegen vermag, bevor er tot zusammen bricht; noch dramatischer scheint der Verlauf der Vergiftung in Gegenden zu sein, in denen sie als „Fünfzig-Schritt-Schlange” bekannt ist. Die Ureinwohner Taiwans (die Paiwan) betrachten die Chinesische Nasenotter dagegen als ihre Urmutter, aus deren Eiern die ersten Angehörigen ihres Volkes geschlüpft seien.
Der Autor: W. Strassmann
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser
Website an: Webmaster
Copyright © 1998 Schlangen Homepage.
Stand: 15.05.2010