Anatomie Lateinisch / Deutsch Mindestanforderung Terrarien und Einrichtung Erwerb und Transport Schlangen-Fütterung Länge der Schlangen Fortpflanzung Schlangeneier Schlupf der Jungtiere Aufzucht Die Überwinterung Mögliche Krankheiten Bisswunden Meine Terri-Anlagen Klimadaten Klinisches Wörterbuch Schlange! Was tun? SCHLANGEN-KURS

Dem Terrarium, seiner Gestaltung, Einrichtung und technischen Ausrüstung, gebührt bei sachgerechter Pflege seiner Bewohner größte Aufmerksamkeit. Das Terrarium muss in seinen Ausmaßen der Größe, Lebensweise und Anzahl der Schlangen angepasst sein. Für kleinere Natternarten, wie Strumpfbandnattern (Thamnophis), genügen Terrarien von 50 cm Länge, 30 cm Tiefe und 30 cm Höhe. Größere Kletternattern (Elaphe) brauchen Behälter in Abmessungen von wenigstens 100 cm x 50 cm x 50 ...100 cm, Riesenschlangen dagegen Großterrarien von mindestens 120 cm x 100 cm x 100 ...200 cm. In größeren Terrarien ist ein differenziertes Mikroklima einfacher zu erzielen als in kleinen Behältern. Weiterhin sollte der Behälter in seinen Ausmaßen der Lebensweise der Schlangen angemessen sein, je nachdem, ob es sich um kletternde, bodenbewohnende oder im Wasser lebende Arten handelt.

In der Natur wird die Größe des Lebensraumes einer Schlange im wesentlichen von der Fülle des Nahrungsangebotes bestimmt. Über

ein ausgeprägtes Territorialverhalten mit Revierbildung ist bei Schlangen nichts bekannt. Das erklärt, warum Schlangen auch in relativ kleinen Terrarien gut zu halten sind.

Nach ihrem Standplatz haben wir es im allgemeinen mit Zimmerterrarien mit rechteckiger oder - wenn beispielsweise die Nutzung einer Zimmerecke günstig erscheint - mit drei- oder fünfeckiger Grundfläche, senkrechten Seiten und Rückwänden und meist auch senkrechter Vorderfront zu tun. In Fenster oder Erker eingebaute Terrarien bedürfen besonderer Wärmedämmung nach außen. Gewächshausterrarien, beheizt oder unbeheizt für die Sommersaison, erfordern einen tiefen Griff in den Geldbeutel und einen geeigneten Garten, möglichst in unmittelbarer Nähe der Wohnung.

Eine preiswertere Zwischenform von Zimmerterrarium und Freilandterrarium stellt das Freiluftterrarium auf Balkon, Terrasse oder im Garten dar. Bei geeigneter Bauweise - große Gazeflächen zum ungehinderten Einlass von Sonnenlicht und zur Verhinderung von Überhitzung, Aufstellung in windgeschützter Lage - hat es für die Haltung von Schlangen wesentliche Vorteile gegenüber einem Freilandterrarium. Freilandterrarien, und seien sie noch so ausgeklügelt gebaut, sind für die Schlangenhaltung kaum zu empfehlen und zur Vermehrung von Schlangen wenig geeignet.

Mit dem Terrarium muss den Schlangen ein künstliches Biotop geschaffen werden, in dem sie sich geborgen fühlen und ihren natürlichen Lebensgewohnheiten - Bewegung, Ruhe, Schlaf, Futterfang und Fortpflanzung - nachgehen können. Dazu sind die Klimafaktoren Licht, Temperatur, Feuchtigkeit, Belüftung günstig zu gestalten. Aber auch der Terrarianer stellt Anforderungen an das Terrarium: Es sollte von ihm mit seinen polytechnischen Kenntnissen und Fähigkeiten möglichst preisgünstig zu bauen und einzurichten sein - käuflich zu erwerbende Terrarien sind meist recht teuer und entsprechen nicht immer den in sie gesetzten Erwartungen. Der Terrarianer möchte viel von der Lebensweise seiner Pfleglinge beobachten können. Für ihn muss das Terrarium gut zugänglich, leicht zu reinigen und zu desinfizieren sein. Es muss dicht schliessen und ein Entweichen der Tiere verhindern. Wohl die wichtigste Anforderung an ein Terrarium ist aber, dass es auch schön anzusehen ist; es soll, in einem Wohnraum aufgestellt, dessen Wohnlichkeit verbessern. Für Terrarien, die der Vermehrung und Aufzucht von Schlangen dienen sollen, ist das nicht immer einfach zu verwirklichen. Ein Zuchtterrarium kann kein Schauterrarium sein. Aber Kompromisse zwischen Schönheit und Zweckmässigkeit sind möglich.

Eine alte Bauweise von Terrarien ist die Holzkonstruktion. Holz kann leicht und ohne grosse Spezialkenntnisse bearbeitet werden. Selbst Terrarienwände sind preiswert auszuführen. Holz hat aber einen grossen Nachteil: Es eignet sich selbst bei sorgfältigsten Schutzmassnahmen nicht für feuchte Terrarien. Der Bau eines Terrariums aus Eisen- oder Aluminiumwinkelmaterial bedarf des Fachmanns oder wenigstens seiner kundigen Vorarbeit. Winkeleisen muss vor Feuchtigkeitseinflüssen ebenfalls gut geschützt werden und ist sehr schwer. Winkelmaterial aus Hartplasten, lange Zeit im Terrarienbau eingesetzt, wird heutzutage kaum noch angewendet. Dagegen hat sich, vom Aquarienbau übernommen, zumindest für kleine und mittlere Terrarien die Glasklebetechnik durchgesetzt. Geklebte Glasterrarien haben kaum sicht behindernde Streben und sind leicht zu säubern. Die Verwendung von Kristallglas ist zwar teuer, aber besser als die von Fensterglas. Ein etwa 1 m3 Luftraum umfassendes Terrarium braucht schon 8...10 mm dickes Glas, das insgesamt etwa 100 kg wiegt. Für 0,1 m3 grosse Terrarien reicht eine Glasdicke von bis zu 5 mm. Die Glasscheiben selbst auf die exakten Masse zuschneiden ist nicht jedermanns Sache. Jeder Terrarianer kann die Glaskanten aber mit einem Korundstein anschleifen, mit einem fettlöslichen Mittel reinigen und einem handelsüblichen Silikonkautschuk auf Essigsäurebasis verkleben. Zur Belüftung des geklebten Terrariums eignen sich Kunststoffgaze, zwischen Glasstreifen eingeklebt, Bohrungen im Glas oder eingesetzte Hartplastelelemente.

Herausnehmbare Frontscheiben oder Schiebescheiben, die in einem U- oder Doppel-U Plastelprofil laufen, verschliessen das Terrarium von vorn. Doppel-U-Profile gestatten das Öffnen des Terrariums auch dann, wenn seitlich oder nach oben kein Platz für die Frontscheibe bleibt. Sie lassen aber zwischen den beiden Schiebescheiben einen schmalen Spalt, dessen Abdichtung immer unbefriedigend ist und der insbesondere bei lebendgebärenden Schlangenarten das Entweichen des neugeborenen Nachwuchses ermöglicht. Klapptüren mit eingeklebten Scharnieren sind auch bei der Ganzglas-Klebetechnik möglich, benötigen aber viel Raum.

Bodenheizung, eingelassene Wasserbehälter und Pflanzgefässe oder Lüftungskanäle erfordern einen doppelten Terrarienboden. Desgleichen sollte bei mittleren bis grossen Terrarien die Installation von Beleuchtung und Bestrahlung in einem gesonderten Dachaufbau, durch Metallgaze vom Terrariuminnenraum getrennt, erfolgen. Entsprechende Blenden verhindern den direkten Lichteinfall ins Auge des Betrachters.

Für die Bewohner des Terrariums ist die Qualität ihres Lebensraumes wichtig. Ihr künstliches Habitat muss nicht nur ihren morphologischen und ökologischen, sondern auch ihren psychischen Ansprüchen genügen. Dazu gehören geeignete Versteckplätze, Liegeflächen, Kletteräste und Bademöglichkeiten. Eine Bepflanzung des Schlangenterrariums ist meist ein Zugeständnis an den Betrachter, kann aber für manche baumbewohnenden Schlangenarten notwendig sein und hilft, im feuchten Terrarium die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen.

Schon vor der eigentlichen Einrichtung des Terrariums ist die Gestaltung der Rückwand vorzunehmen. Felsenaufbauten sind zu schwer und schaffen häufig für den Terrarianer unzugängliche Schlupfwinkel. Aus Rindenstücken zusammengeklebte Rückwände sind schlecht zu reinigen; sie bieten, selbst wenn Spalten sorgfältig mit eingefärbtem Holzkitt verschlossen wurden, für die Pflege kleiner Schlangen unerwünschte Hohlräume. Recht natürlich sehen Rückwände aus Lehm- und Gipsgemischen aus. Sie haben den Nachteil, dass sie Wasser aufnehmen, nicht lange halten und sich schlecht reinigen lassen. Aus Kunststoff gestaltete Rückwände sind haltbar und gut zu säubern, aber glänzend und wenig natürlich wirkend. Beim Autor hat sich eine Rückwandgestaltung bewährt, die leicht herzustellen ist, wenig wiegt, wärme dämmend wirkt, sich sehr natürlich gestalten lässt und ausserdem abwasch- und desinfizierbar ist. Unregelmässige Brocken eines geschäumten Kunststoffs, an die Terrarienrückwand geklebt, bilden den Grundaufbau. Dabei lassen sich Liegeflächen und Pflanzenwannen einarbeiten. Dann erfolgen das Auftragen und Modellieren einer etwa 1 cm dicken Schicht aus Zement, Sand und Latex. Nach wenigen Tagen ist diese Schicht ausgehärtet und

wird nun mit einem dünnen Brei aus Latex, Zement und Farbe nach Wunsch eingefärbt; dabei lassen verschiedene Farbschattierungen, gleichzeitig angewendet, die Gesteinsimitation natürlich erscheinen. Eine ähnliche Rückwandgestaltung ist mit Fussbodenausgleichsmasse möglich.

Dem Bodengrund kommt bei wühlenden Schlangenarten und als Feuchtigkeitsspeicher im feuchten Terrarium eine besondere Bedeutung zu. Gewaschener Sand ist beispielsweise für Sandvipern (Cerastes cerastes) ein natürliches Versteck. Auch Sandboas (Eryx) wühlen sich gern im Sand ein. Torf-Sand-Mischungen eignen sich für verschiedene feuchte Terrarientypen. Den meisten Schlangenarten, die im trockenen Terrarium leben, genügt eine mehrere Zentimeter dicke Schicht lockeren, trockenen Waldmooses. Kot- und Futterreste lassen sich damit unproblematisch entfernen.

Viele Schlangen, selbst Bodenbewohner, klettern gern. Ein genügend starker Kletterstamm bietet Kletter-, Versteck und Ruhemöglichkeiten. Sehr dauerhaft und in jeder gewünschten Form herzustellen sind künstliche Kletterstämme mit einem Skelett aus Drahtgeflecht und Kunststoff-, Zement- oder Gipsbeschichtung. Sie faulen nicht, sind leicht sauber zumachen und können sogar ein Heizkabel aufnehmen oder als Abdeckung einer Lampe dienen. Viele Baumschlangenarten bevorzugen dünnes Klettergeäst, das mit rankenden Pflanzen durchsetzt ist. Für vorwiegend bodenbewohnende Schlangen, auch die Wassernatterarten, hat sich ein dekorativer halb verrotteter Kiefernstubben als zentraler Blickfang im Terrarium bewährt. In kleinen, trockenen Terrarien wirken nicht zu dünne, knorrige, abgestorbene Rebstöcke sehr attraktiv. Die meisten Schlangen bevorzugen Versteckplätze, die eine enge Berührung mit dem Rücken der Tiere gewähren. Dabei bieten neben Hohlräumen unter flachen Steinen vor allem gebogene Rindenstücke selbst für größere Schlangen gern angenommene Unterschlupfmöglichkeiten. Verschliessbare Schlupfkästen sind nicht nur bei der Giftschlangenhaltung zu empfehlen.

Art und Grösse des Wasserbehälters hängen von der Lebensweise und der Länge der Schlangen ab. Wasserbehälter sollten glatte, leicht zu reinigende Wandungen haben und, wenn nicht ablassbar, leicht aus dem Terrarium herauszunehmen sein. Versenkte Behälter sehen zwar natürlicher aus, werden aber durch hinein geschobenen Bodengrund schnell verunreinigt. Ein regelmässiger Wasserwechsel ist bei der Schlangenpflege unumgänglich. Da viele Schlangen ihre Exkremente im Wasser absetzen, reicht eine Wasserfilterung oder gar eine biologische Selbstreinigung auch in einem grösseren bepflanzten Wasserbecken nicht aus.

Pflanzen im Schlangenterrarium besitzen vor allem Schauwert, jedoch nur so lange, wie sie durch die Tiere nicht beschädigt oder ausgewühlt worden sind. Pflanzen sollten deshalb nur im Topf oder in Pflanzwannen in den Bodengrund gesetzt oder in der Terrarienrückwand eingelassen sein, damit sie regelmässig ausgetauscht werden können. Ein dem Heimatbiotop der Schlangen entsprechender Pflanzenbesatz ist nur im Biotopterrarium für Schauzwecke von Bedeutung. Ein Kompromiss fürs Auge sind Kunststoffpflanzen; Vorurteile gegen sie stammen von unnatürlich wirkenden Imitationen. Kunststoffpflanzen lassen sich dekorativ in Bohrungen in der Terrarienrückwand oder am Stubben »einpflanzen«. Und die desinfizierbaren Kunststoffpflanzen kommen den hygienischen Anforderungen an ein Zuchtterrarium sehr entgegen. Ein besonders hygienisches Terrarium mit minimaler Einrichtung, ohne Bepflanzung, ist bei der Quarantäne neu erworbener oder für die Pflege offensichtlich erkrankter Tiere erforderlich. Keimarmes Zeitungspapier als Unterlage lässt die vollständige Entfernung von Kotresten zu. Auch Hobelspäne als Bodengrund, die von Riesenschlangenpflegern gern verwendet werden, haben sich im Quarantäneterrarium bewährt.

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Stand: 19.04.2009