Anatomie Lateinisch / Deutsch Mindestanforderung Terrarien und Einrichtung Erwerb und Transport Schlangen-Fütterung Länge der Schlangen Fortpflanzung Schlangeneier Schlupf der Jungtiere Aufzucht Die Überwinterung Mögliche Krankheiten Bisswunden Meine Terri-Anlagen Klimadaten Klinisches Wörterbuch Schlange! Was tun? SCHLANGEN-KURS

Der Terrarianer, der sich Schlangen auch mit der Absicht anschafft, sie zur Fortpflanzung zu bringen, wird in der Regel genau wissen, welche Arten er sich zulegen will, welches Geschlecht einer bestimmten Art er braucht, und er hat sich über Literatur oder erfahrene Freunde bereits über die Ansprüche der ihn interessierenden Tiere informiert. Der Selbstfang ist zweifellos eine günstige Methode, Schlangen zu erwerben. Man lernt deren Lebensräume kennen. Und wenn der Fang mit Überlegung und Selbstbeschränkung für den eigenen Bedarf in ungefährdeten Populationen erfolgt, wird kaum eine Schädigung der Art eintreten. Dass dabei die Artenschutzbestimmungen des betreffenden Landes und beim Grenzübertritt die Bestimmungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens bekannt sind und befolgt werden, sei vorausgesetzt. Im Handel erworbene Tiere sind häufig in weniger gutem Zustand, oft schon hoffnungslos erkrankt. Und wie viele Artgenossen mögen auf dem Handelsweg für eine verkaufte Schlange ihr Leben gelassen haben? Der Kauf einer Schlange beim Händler ist Vertrauenssache. Niemals sollte man unkritisch die Informationen des Verkäufers über Artzugehörigkeit, Lebensansprüche und Zustand des Tieres hinnehmen. Das Tier ist einer eingehenden Beurteilung zu unterziehen, wobei es gilt, folgende Fragen zu beachten:

- Wie ist der allgemeine Ernährungszustand des Tieres? Ist es sehr stark abgemagert? Ist es aktiv? Versucht es, sich aus der Hand zu winden oder gar zu beissen?

- Hat sich die Schlange gut gehäutet? Sind noch alte Hautreste vor allem auf den Augen oder an der Schwanzspitze vorhanden? Stehen einzelne Schuppen ab (Verdacht auf Milbenbefall)? Sind offene Wunden oder Knoten unter der Haut vorhanden? Sind die Augen klar? (Augentrübung vor Häutung wäre normal.)

- Ist die Maulspalte der Schlange geschlossen? Ist das Innere des Maules ohne Beläge, ohne blutige Stellen und ohne Schleim?

- Ist die Schnauzenspitze aufgeschlagen und entzündet?

- Sind Atemgeräusche zu vernehmen? (Das Zischen mancher Arten ist typisch.) Bei verschleimtem Maul besteht Verdacht auf Lungenentzündung.

- Ist die Umgebung der Kloake sauber oder ist sie verkrustet?

Ungeteiltes Vertrauen wird man beim Kauf von Schlangen üblicherweise einem bekannten Züchter entgegenbringen können. Die Besichtigung seiner Terrarienanlage, der Zuchttiere und die uneigennützige direkte Vermittlung von Erfahrungen mit den betreffenden Tieren sind nicht hoch genug einzuschätzende Vorteile. Man hat die Gewähr, gesundes Tiermaterial zu erwerben und bekommt die Tiere dazu wesentlich preiswerter als im Handel. Allerdings muss man sich meist der Mühe unterziehen, die erworbenen Jungschlangen aufzuziehen. Ältere Tiere wird ein Züchter kaum abgeben, es sei denn, es handelt sich um überzählige Exemplare eines Geschlechts, oder man kann ihm im Tausch Tiere einer anderen, für ihn interessanten Art anbieten. Dass Züchter bevorzugt Jungschlangen abgeben, ist kein böser Wille. Meist fehlen die Zeit, der Platz und das Futter für die Aufzucht einer grösseren Zahl von Jungtieren.

Schlangen werden in Leinenbeutel entsprechender Grösse - tiefer als breit - verpackt. Dabei sind nur gleich grosse und untereinander nicht aggressive Tiere gemeinsam in einem Beutel zu transportieren. Vorsicht bei Giftschlangen, sie können durch den Beutel beissen! Dunkle Stoffbeutet sind für Giftschlangen deshalb zweckmässiger als durchscheinende. Der Beutel wird, bei genügender Länge, an der Öffnung verdreht und verknotet oder oben umgeschlagen und mit einer Schnur zugebunden. Dabei ist darauf zu achten, dass keine Schlange mit eingebunden wird.

Bei längerem Transport sind die Temperaturverhältnisse zu beachten. Während sommerlicher Autofahrt erliegen im Rückfenster abgelegte Tiere schnell einer Überhitzung. Im Winter leistet ein Behälter aus geschäumtem Kunststoff, notfalls mit einer Wärmflasche versehen, gute Dienste. Am sichersten überstehen ungiftige Jungschlangen den winterlichen Transport in einem kleinen Beutel, der unter der Oberbekleidung um den Hals gehängt wird.

Einer grösseren Vorbereitung bedarf der Versand von Schlangen per Post oder Bahnexpress. Schlangen sollten nur mit leerem Magen-Darm Kanal auf die Reise gehen. Nach Verpackung in feste Leinenbeutel sind diese mit dem wissenschaftlichen Namen der enthaltenen Arten und ihrer Stückzahl zu versehen. Gesonderte Hinweise sind bei Giftschlangen erforderlich. Ein temperaturgedämmter Behälter ist im Sommer wie im Winter empfehlenswert. Ein fester Karton, besser eine leichte Kiste sorgt für die Unbeschadete Ankunft. Nicht zu vergessen sind ausreichend viele kleine oder mit Drahtgaze verschlossene grössere Lüftungslöcher. Aufschriften auf der Transportkiste wie »Vorsicht, lebende Tiere, bei Temperaturen um ... °C lagern!« oder »Vorsicht Giftschlangen!« dürfen nicht fehlen. Beim grenzüberschreitenden Verkehr sind neben den Papieren für den Post- oder Bahnversand die gegebenenfalls erforderlichen Bescheinigungen für Arten, die im Washingtoner Artenschutzübereinkommen erfasst sind oder landeseigenen Schutzbestimmungen unterliegen, sowie die zollrechtlichen und veterinärhygienischen Belege beizubringen.

Eine Austrocknung der Tiere ist bei kurzzeitigem Versand normalerweise nicht zu befürchten. Etwas angefeuchtetes Moos oder ein feuchtes Schaumstoffstück sind bei Jungschlangen aber empfehlenswert. Nass dürfen die Transportbeutel auf keinen Fall werden, da sie dann luftundurchlässig sind.

Stark unterkühlte Schlangen sind nur langsam wieder an die normale Terrarientemperatur zu gewöhnen. Dem geringsten Stress unterliegt der Neuankömmling, wenn er im Terrarium in aller Ruhe aus dem geöffneten Beutel heraus kriechen kann.

Zur Vermeidung der Übertragung von Erkrankungen ist eine Quarantäne der Neuankömmlinge angeraten. Die Quarantänedauer beträgt im allgemeinen 4 Wochen, die im Fall einer Amöbenruhr aber noch nicht ausreichend wären. Bakteriologische und parasitologische Untersuchungen an frisch gewonnenen Kotproben oder zumindest von Kloakenabstrichen müssen dem Fachmann vorbehalten bleiben. Die Kontrolle auf Milbenbefall ist aber schnell möglich, und die Behandlung kann sogleich vorgenommen werden.

Bei längeren Transporten und Zwischenaufenthalten kann eine vorbeugende Verabreichung von Vitaminen angeraten sein, die erste Futteraufnahme wird dadurch begünstigt.

Einige Bemerkungen noch zur Haltung von Giftschlangen und grossen Riesenschlangen im Terrarium. Die Ansichten darüber, ob diese Tiere im Terrarium gepflegt werden sollten, sind sehr unterschiedlich: Sie reichen von völliger Ablehnung bis zu fast bedenkenloser, leichtfertiger Zustimmung. Doch worauf beruht das grosse Interesse der Mehrzahl der Besucher eines öffentlichen Schauterrariums gerade für Giftschlangen und besonders grosse Riesenschlangenexemplare?

Zweifellos spielt hier der Hang nach etwas Aussergewöhnlichem, Sensationellem eine grosse Rolle. Die nur wenige Zentimeter hinter der Scheibe des Terrariums »drohende Gefahr« erzeugt wohl einen prickelnden Nervenkitzel. Sollte diese Gier vorherrschendes Motiv zur Haltung solcher Schlangen im Terrarium sein und die Haltung nur der Befriedigung von Eitelkeit oder Geltungsbedürfnis dienen, dann ist sie abzulehnen.

Warum sollten andererseits alle diese Tiere mit ihren besonderen interessanten Verhaltensweisen nicht gleichberechtigt wie die »harmlosen« Schlangen auch vom Liebhaberterrarianer - allerdings unter Einhaltung einer Reihe wesentlicher Voraussetzungen - gepflegt und vermehrt werden? Die öffentliche Meinung mit ihren ablehnenden Äußerungen und Angriffen gerade gegen die Giftschlangenhaltung lässt sich eher von unbewussten Angstgefühlen und grundsätzlicher Abneigung gegenüber Schlangen als vorn Verantwortungsgefühl leiten. Ein völliges Verbot der Haltung von Gift- und Riesenschlangen ist ebenso unsinnig wie uneingeschränkte Billigung oder gar Förderung dieser Zweige der Terraristik. Eine Genehmigungspflicht für die Haltung gefährlicher Tiere durch ein gesellschaftliches und wirklich fachkundiges Gremium ist die für alle Teile vernünftigste Lösung. Die Haltung von Giftschlangen und grossen Riesenschlangen wird dabei von einer Reihe von Auflagen, die Person des Terrarianers, die Unterbringung der Tiere und die Beziehungen des Terrarianers zu seiner Umwelt betreffend, abhängig gemacht.

Grundsätzlich sollte die Haltung gefährlicher Schlangen der Ausnahmefall sein, sie ist nur mit einem tiefen, wissenschaftlich orientierten Interesse an ihrer Lebensweise zu motivieren. Ausreichende Kenntnisse und langjährige Erfahrungen im Umgang mit ungefährlichen Schlangen sind wesentliche Voraussetzungen für den Terrarianer. Dieser Verantwortung darf sich auch der Tierhandel nicht entziehen, der immer noch bedenkenlos gross werdende Riesenschlangen oder in vielen Ländern gar Giftschlangen selbst an den Anfänger verkauft.

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Stand: 19.04.2009