Dschungel im Wohnzimmer. Ob giftige
Skorpione, Schlangen oder Spinnen: Offiziellen Schätzungen
zufolge halten rund vier bis sechs Millionen Menschen in
Deutschland zu Hause Reptilien und Amphibien – und die Zahl
steigt rasant. Bisse der zum Teil hochgiftigen Tiere können für
den Menschen tödlich sein. Trotzdem ist es in einigen
Bundesländern ohne vorherigen Nachweis erlaubt, solche Tiere zu
kaufen. "Kerner"-Reporter sind der Frage nachgegangen, wie
einfach es in Deutschland ist, sich giftige Haustiere zu
besorgen.
Alexandra Haas
bekennt sich frisch und frei zu ihrer Leidenschaft – Sex. Profifussballer
Philippe Montandon spricht offen über das Tabuthema Hodenkrebs.
Lebensmittelchemiker und Bestsellerautor Udo Pollmer erklärt, gesunde Ernährung
sei wie Sex ohne Orgasmus. Und: Werner Strassmann fühlt sich bei seinen
Giftschlangen pudelwohl, obwohl er nach einem deftigen Biss fast gestorben wäre.
Werner Strassmann
ist ein kompetenter Schweizer
Schlangenfänger der Stadt- und Kantonspolizei Zürich. Er fürchtet sich weder vor
hochgiftigen pakistanischen Wüstenvipern noch vor Mambas oder Kobras. Sucht ein
solches Exemplar oder auch ein weniger giftiges Reptil das Weite, ist der
Reptilien- und Gifttierspezialist ein gefragter Mann. Bereits als Fünfjähriger
entdeckte er die Schönheit dieser Tiere und drängte seine Eltern, ihm ein
Tigerpython zu schenken.
SF DRS vom 7. März 2008
'Leben
Live' mit Fabienne Pfamatter
Der Schlangenmann
Im Keller seines Reiheneinfamilienhauses in Zürich leben 100 Schlangen, darunter
einige der giftigsten Arten überhaupt. Werner Strassmann, Familienvater und von
Beruf Beamter, ist seit seiner Kindheit fasziniert von Schlangen. Als
anerkannter Schlangenexperte unterrichtet und prüft er unter anderem Personen,
die zu Hause Giftschlangen halten möchten. «Leben live» war an einer
Abschlussprüfung dabei und hat hautnah miterlebt, welche Risiken der Umgang
einer hochgiftigen Klapperschlange birgt.
Die Trend Reportage
wird gesendet auf
RTL
vom 14.01.2008
Thema: Ungewöhnliche
Haustiere
Bei Orazio Martino im hessischen Dietzenbach tummeln sich
Nilkrokodile und Alligatoren. Vogelspinnen, Schlangen und Skorpione zählen auch
zu seinen Haustieren. Aber trotz scharfer Zähne und giftiger Stachel ist
Anfassen und Kuscheln bei ihm erlaubt. Bei seinen Tiershows geht nicht nur der
Italiener Orazio Martino mit den Tieren auf Tuchfühlung, auch die Gäste dürfen
sich im Umgang mit echten Exoten beweisen.
Neuester Trend in Berlin: Das Mikrohaustier. Martin Sebesta betreibt den
einzigen Ameisenshop Deutschlands. Das Geschäft mit den kleinen Krabbeltieren
floriert. Zwar sind einheimische Ameisen tabu, sie stehen unter Artenschutz,
aber ganze mittel- und südeuropäische Ameisenvölker sind zwischen fünf und 150
Euro zu haben. Die Ameisen fressen Blätter, Honig, spezielle Proteinnahrung und
sind damit genügsame Haustiere. Das dachte sich auch Schüler Michel Foustreiter.
Der 19-Jährige teilt sich gleich mit zwei Ameisenkolonien seine Wohnung. Das
reicht ihm aber noch lange nicht aus. Er tüftelt bereits an der Behausung eines
weiteren Ameisenvölkchens.
Ungewöhnliche Haustiere hält sich auch der Schweizer
Werner Strassmann: über 90 Schlangen, ein Drittel davon giftig. Der anerkannte
Fachmann aus Zürich will anderen die possierlichen Kriechtiere näher bringen und
bietet deshalb
Giftschlangenkurse an. In
Theorie und Praxis lernen die Teilnehmer alles, was im Umgang mit den giftigen
Tieren wichtig ist – so auch Notfallkonzepte und erste Hilfe bei
Schlangenbissen.
Wer noch keine eigene Schlange hat, kann die garantiert im weltweit größten
Zoofachgeschäft in Duisburg erstehen. Auf 8.000 Quadratmetern krabbeln,
schwimmen oder flattern rund 2.000 verschiedene Tierarten in Terrarien, Aquarien
oder Käfigen umher und warten auf neue Besitzer. Inhaber Norbert Zajac hat sich
mit seinem Laden einen Traum erfüllt, seine Leidenschaft für Exoten begann schon
in Kindertagen mit seinem ersten Haustier – einer Eidechse.
Tierärztin Silke Herzberger aus Dietzenbach bei Frankfurt/ Main hat sich auf den
neuen Haustiertrend eingestellt. Sie ist eine der wenigen Tierärztinnen
Deutschlands, die sich auf Reptilien und Exoten spezialisiert hat.
Die „trend REPORTAGE“ zeigt Deutschlands ungewöhnlichste Haustiere, scheut
keinen Ekel, keine Gefahr und zeigt die exotischen Getiere hautnah.
Schlangen sind für Werner Strassmann
etwas ganz Besonderes. Kein Wunder also, dass in der
Wohnung des Zürichers fast 100 Exemplare leben. Im
Wohnzimmer sind die stattlichen aber harmlosen Grünen
Baumpythons untergebracht, für die etwa 70 Giftschlangen
hat er allerdings eigens einen Kellerraum ausgebaut. Der
Schlangenfan A. S. möchte sich Kobras anschaffen - nicht
jedoch, bevor er bei Werner Strassmann einen
Giftschlangen-Kurs
absolviert hat. Nach der kurzen Theorie geht es an die
giftige Praxis im Terrarienkeller des Zürichers: Adrian
soll nach Anleitung seine erste Klapperschlange aus dem
Terrarium heben - und jeder Fehler ist
lebensgefährlich...
Webmaster beim Handling einer Crotalus
atrox
(Westl. Diamantklapperschlange)
Werner Strassmann ist ein begeisterter Schlagzeuger und tritt mit der Band «Clover
Leaf» oft an Wochenenden auf.
Mindestens genau so wichtig sind ihm allerdings seine Schlangen.
Die selbst gemachte Homepage von «Schlangen Werni »
www.reptiles.de ist äusserst informativ. Das
Schlüsselerlebnis mit Schlangen hatte er vor 35 Jahren:
Statement Werner Strassmann:
«Also das war mit 6 Jahren – mein erster Kontakt. Ich hatte dort zum ersten Mal
eine Riesenschlange, eine Tigerpython, um den Hals nehmen können und das war für
mich ein riesigen Erlebnis.»
Heute hat er in seinem Heim über 170 Schlangen.
Oben im Wohnzimmer sind vier ungiftige «Grüne Baumpythons» untergebracht.
Unten im Keller – hinter den abschliessbaren Türen – da ist sein wahres Reich.
Die meisten seiner Schlangen sind eigene Nachzuchten: So wie diese
«Südafrikanische Korallenschlange». Als Wüstenbewohnerin muss sie trocken
gehalten werden.
Werner Strassmann ist einer der renommiertesten Züchter der Schweiz, und er ist
stolz darauf, dass dieses Exemplar eine so prachtvolle Färbung hat.
Giftige Schlangen darf man nicht ohne Bewilligung halten. Für Sicherheit muss
gesorgt sein, dies wird auch alle zwei Jahre amtlich kontrolliert.
Statement Werner Strassmann:
«Die Sicherheitsvorkehrungen sind einmal sicher abschliessbare Türen. Was zum
Vorteil ist, sind abschliessbare Terrarien, was aber nicht unbedingt notwendig
ist.
Dann ein Notfallplan, falls man gebissen wird. Darauf steht welchen Arzt man
konsultieren muss, wo das Serum gelagert ist, usw.»
Die Gabun-Viper z.B. ist extrem giftig.
Diese Tatsache beunruhigt die Familie Strassmann nicht. Allerdings: Alleine
dürfen die Kinder nicht in den Keller.
Mit den Nachbarn hat man grundsätzlich ein sehr gutes Verhältnis, aber Schlangen
sind bekanntlich nicht jedermanns Sache:
Statement Gaby Strassmann:
«Ich habe einfach in der Nachbarschaft so zwei, drei Leute, die nicht hier ins
Haus kommen. Aber das akzeptiere ich. Das kann man nicht irgendwie erzwingen,
dass die jetzt kommen.»
Schlangen brauchen alle zwei bis drei Tage frisches Wasser. Eine gute,
artgerechte Haltung ist die Grundvoraussetzung für den züchterischen Erfolg.
Werner Strassmann ist übrigens der einzige in Europa, dem es gelungen ist, diese
Urwald-Todesottern nachzuzüchten.
Praktisch alles, was je über Schlangen und im Speziellen Schlangenhaltung
geschrieben wurde, hat er gelesen.
An seiner Homepage liegt ihm viel. Bleiben ihm mal ein paar Minuten, so wird sie
mit neuen eigenen Bildern ergänzt.
Aber auch ein noch so guter, noch so informierter Schlangenzüchter ist nicht vor
Überraschungen gefeit. Bei den jungen Kaukasusottern kam es letztes Jahr zu
Kannibalismus.
Statement Werner Strassmann:
«Ich habe diese elf Jungtiere alle in ein Gefäss getan. Und ein paar Tage später
ist ein Jungtier dick gewesen und eines hat natürlich gefehlt. Und dann wurde es
aufgefressen. Nur konnte dieses Tier das dann leider nicht verdauen, hat es
wieder ausgewürgt und ist selbst auch an den Strapazen eigentlich zugrunde
gegangen.»
Die genaue Buchführung zu jedem Tier, die Fütterungen und die Reinigung der
Terrarien beschäftigen Werner Strassmann – beruflich Beamter – mindestens 1 1/2
Stunden am Tag.
Statement Werner Strassmann:
«Ich mache ja noch Musik und ich mache ziemlich viel Musik und da gibt es
manchmal schon einen richtigen Engpass, aber da muss man durch. Man kann nicht
alles haben und ich hänge nun mal an diesen Schlangen, weil ich seit 35 Jahren
dieses Hobby pflege und da kann man nicht so einfach sagen: "Jetzt höre ich auf
mit ihm."»
Allerdings hat Werner Strassmann auch nichts dagegen einzuwenden, wenn er seine
geliebten Alpenvipern jeweils Ende Jahr für drei Monate zur Überwinterung in die
Waschküche bringen kann.
So kommt er im Winter vielleicht doch einmal dazu, seine Skis anzuschnallen.
Sie
heilen und sie töten: Schlangen
Hochgiftige Schlangen in den Tropen.
Wie
man in Thailand mit der tödlichen Gefahr umgeht.
Wertvolles Gift für Therapie und Diagnose.
Berufsverbot für Schlangen-beschwörer in Indien.
«NZZ
Swiss made»: Mit 170 Schlangen unter einem Dach
mit Werner Strassmann