Familie: Nattern

Gattung: Schwimmnattern Natrix Laurenti, 1768

Art: Würfelnatter Natrix tessellata tessellata (Laurenti, 1768)

Beschuppung:

19 Schuppenreihen um die Rumpfmitte, von denen mit Ausnahme der äußersten Reihe alle gekielt sind. Äußerste Reihe glatt oder schwach gekielt. Das Analschild ist geteilt.

Gesamtlänge:

Männchen bis 76cm, die Weibchen bis 96cm. Die Würfelnatter wird offenbar im Osten ihres Verbreitungsgebietes größer als im Westen. Das größte gemessene Exemplar ist ein Weibchen 114cm aus Jenikög in Nordostanatolien. Das größte Männchen hat eine Länge von 83cm und stammt ebenfalls aus der Türkei: Adiyaman, 20 km südlich Malatya.

Jungtiere bei der Geburt:

Frischgeschlüpfte Würfelnattern sind ca. 15,8 bis 20,8cm lang.

Färbung und Zeichnung:

Erwachsenen Tiere:

Oberseite schiefergrau bis oliv, mit zwei Reihen mehr oder weniger deutlichen, schwarzen Rückenflecken, die hinter dem Kopf beginnen, leicht gegeneinander verschoben sind und gelegentlich in der Körpermitte zusammenfließen. Auf den Flanken verläuft beidseitig eine weitere Reihe von dunkeln rundlichen oder viereckigen, aufrecht gestellten Flecken, die bis zum Schwanzende vorhanden ist, während die Rückenflecken hinter dem After verblassen. Am Hinterhaupt beginnt beidseitig ein schief nach außen verlaufender Streifen über die Maulwinkel zu den Flecken der Rumpfseiten. Die zwischen den senkrechten Seitenflecken befindlichen Schuppen sind gelegentlich weiß oder gelblich und können zu seitlichen Querbändern zusammenfließen. Unterseite hell und dunkel gewürfelt. Kopf und Kehle unterwärts weiß bis hellgelb. Es sind auch Schwärzlinge aus einer Population am Luganersee bekannt, wobei der Anteil der schwarzen Exemplare zum Anteil der normal gefärbten etwa 1 zu 10 beträgt. Die am Genfersee ausgesetzten Würfelnattern stammen vermutlich aus Italien, diejenigen am Vierwaldstätersee (vorwiegend Grautöne) aus dem unteren Tessin- oder Maggiatal.

Jungtiere: 

Grundfarbe oberseits schmutzigweiß bis hellgrau. Kopf mit vielen unregelmäßigen dunkeln Flecken, die im Verlauf des ersten Lebensjahres verschwinden. Übriges Muster wie bei den erwachsenen Tieren, aber Zeichnung und Grundfarbe Kontrastieren beim Jugendkleid stärker als später.

Verhalten:

Aktivitätsperiode:

Die Winterstarre dauert normalerweise von Mitte Oktober bis Mitte April und kann sich je nach der jeweiligen Wettelage um eine Woche vor- oder Nachverschieben. Die Winterquartiere können sich in unmittelbarer Nähe des Gewässers befinden, das sie im Sommer bewohnen, oder auch bis 150m davon entfernt liegen. Die Tiere können einzeln überwintern. Wir haben aber auch Orte entdeckt, an deinen bis 30 Exemplare zusammen ein gemeinsames Winterquartier bezogen. Kurz nachdem sie im Frühjahr aus der Kältestarre erwachen, sowie im Herbst vor dem Einwintern, kann man bei schönem, warmem Wetter größere Ansammlungen von Würfelnattern antreffen. Während der Sommermonate sind uns in der Schweiz keine derartigen Ansammlungen von Würfelnattern begegnet.

Tageszyklus:

Wie eben erwähnt findet man die Tiere im Frühjahr und im Herbst für kurze Zeit öfters weit weg vom Wasser und zwar von etwa 10:00 Uhr vormittags bis nachmittags 14:00 Uhr beim Sonnenbad. Später sind die Tiere vorwiegend in unmittelbarer Gewässernähe anzutreffen und sonnen sich am frühen Morgen und am späten Nachmittag, wenn sie aus dem Wasser zurückkehren. Tagsüber sind sie bei kaltem Wetter an Land verborgen, bei schönem Wetter auf Fischjagd im Wasser.

Lebensraum:

Die Nattern liegen zum Fang am Grunde langsam fließender Gewässer und bewegen sich dort langsam fort. Gelegentlich liegen sie unter größeren Steinen und kommen nur zeitweise zur Erneuerung der Atemluft an die Wasseroberfläche. In einem See oder in einem Tümpel schwimmen sie, meist unter Wasser, vom Ufer nach außen und kommen erst gegen Abend an der Oberfläche schwimmend ans Ufer zurück. Im Wasser nehmen die Tiere keine größeren Ortsveränderungen vor, hingegen bewegen sie sich u.U. auf dem Land über Tage bis zu 350m weit. Wie bereits erwähnt, finden sie aber stets den Weg zum Wasser zurück, falls sie sich bei Ortsveränderungen vom Wasser entfernt haben.

Paarungsverhalten:

Die Paarung findet Mitte April bis Mitte Mai statt. Herbstpaarungen haben wir im Freien keine beobachtet, ebenso wenig Balzkämpfe unter den adulten Männchen. Hingegen konnten wir zur Paarungszeit gewisse Ansammlungen erwachsener Würfelnattern (40 bis 60 Stück) auf relativ kleinem Gelände (20m x 100m) beobachten und zwar im Unterlauf der Maggia sowie am Luganersee. Dabei werden bei der Paarung die Partner häufig gewechselt.

Imponiergehaben:

Wie die Ringelnattern entleeren frischgefangene Würfelnattern ihre Afterdrüsen, ihre Kloaken und speien halbverdaute Nahrungsbrocken aus. Sie rollen sich zusammen, einzelne flachen ihren Rumpf ab und stoßen mit geschlossenem Maul ohne zu beißen gegen den Ruhestörer. Es wurde auch ein Öffnen des Maules und Heraushängen der Zunge beim unbeweglich daliegenden Tier beobachtet, ähnlich dem Totstellen der Ringelnatter.

Nahrung:

Erwachsene Würfelnattern fressen vorzugsweise Fische , die nehmen aber auch mit Lurchen (Fröschen, Molchen) vorlieb. Die Beutetiere werden nicht durch Umschlingen festgehalten. Sie werden, wenn möglich, kopfvoran verschlungen. Größere Fische werden zuerst ans Land gebracht und erst dort gefressen. Junge Würfelnattern fressen neben jungen Fischen auch Kaulquappen und Regenwürmer.

Fortpflanzung:

Im Juli werden die 8 bis 25 Eier an feuchtwarmen Stellen (Misthaufen, Baumstrünke, Uferhöhlungen usw.) versteckt. Frisch aus der Kloake ausgetreten, sind die Eier etwas klebrig, so dass sie meist in Klumpen anzutreffen sind. Die anfängliche Größe der Eier variiert von 22 bis 25mm Länge und 12 bis 16 mm Breite. Die Reifezeit dauert 7 bis 11 Wochen und ist temperaturabhängig.

Verbreitung:

Würfelnattern werden nur in unmittelbarer Nähe von Gewässern gefunden, vertikal ist ihre Verbreitung vom Tiefland bis höchstens 650m beschränkt. Ursprünglich war das Vorkommen in der Schweiz auf das Tessin und die südlichen Bündnertäler beschränkt. Eventuell ist auch eine Population am Rhein älteren Datums, hingegen ist die Würfelnatter an vielen anderen Stellen ausgesetzt worden.

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Zur Physiologie der Würfelnatter

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