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Der Schlupf der Jungtiere eines Geleges erfolgt in den meisten Fällen innerhalb von ein bis vier Tagen. Einzeltiere können ausnahmsweise auch wesentlich vor oder nach dem Schlupftermin der Mehrzahl ihrer Geschwister erscheinen. Meist deutet sich der bevorstehende Schlupf einige Tage zuvor an, indem die Eier an Wasser verlieren, Vertiefungen und Längsfalten bekommen. Mitunter erscheinen braune bis schwärzliche Flecke. Schliesslich sind die ersten mit dem Eizahn geschnittenen Öffnungen an der Oberseite des Eies zu sehen - meist mehrere Längsschnitte parallel zueinander, auch V- oder sternförmig. Eine Besonderheit wurde an der Schmuckbaum Schlange (Chrysopelea ornata) beobachtet, bei der aus allen Eiern dreier Gelege sämtliche Jungschlangen durch Schnitte an den Eipolen schlüpften.

Durch die aufgeschnittene Eischale wird zunächst die Schnauzenspitze geschoben. Schon die ersten Atemzüge der jungen Schlange verursachen um die Öffnung kleine Schaumbläschen aus austretender Eiflüssigkeit. Schliesslich erscheinen Kopf und Hals. Die Jungschlange ist noch jederzeit bereit, sich bei Störungen sofort wieder in die schützende Eischale zurückzuziehen. Dabei ist Erstickungsgefahr nicht auszuschliessen. Bis zu 2 Tage kann sie in dieser Stellung verharren. Die Jungtiere einiger Arten sind in diesem Stadium bereits recht aggressiv und beissen nach der sie vermeintlich bedrohenden Hand. Der Giftschlangenpfleger sei daran erinnert, dass die Jungtiere schon über wirksames Gift verfügen und ein Biss an einer empfindlichen Stelle fatale Folgen haben kann.

    Eizahn einer Jungschlange

Beim völligen Verlassen der Eier reißen dann in den meisten Fällen die im Ei verbliebenen Reste des Dottersackes ab. Mitunter bleiben Teile der Nabelschnur oder der Dottersack mit der frisch geschlüpften Schlange verbunden, sie gehen beim ersten Umherkriechen verloren oder trocknen binnen kurzem ein und fallen ab.

Mitunter gelingt nicht allen vollentwickelten Feten der Schlupf. Die Ursachen dafür sind nicht immer klar. Falls diese Tiere nicht schon einige Zeit vor dem Schlupftermin des Geleges abgestorben sind, können Schlupfhilfen dienlich sein. Schlupfhilfen sind umstritten, sind doch einzelne Feten mitunter noch nicht voll entwickelt und besitzen einen grossen Dottersack. Ein unvorsichtiges Öffnen der Eier kann zu Dottersackverletzungen und zum Tode der Schlange führen. Der Autor hat jedoch mit dem Anschneiden von Eiern, die 2 bis 3 Tage nach selbständigem Öffnen der ersten Eier des Geleges noch keine Schlupfabsichten erkennen liessen, gute Erfahrungen gemacht. Mit einer feinen Schere lässt sich entlang einer Längsfalte ein Schnitt führen, ohne dass Verletzungsgefahr besteht. Tritt dabei etwas klare Flüssigkeit aus, ist das ein Zeichen dafür, dass der Fetus höchstwahrscheinlich noch lebt. Kurzzeitig tote Feten sind am Austritt einer trüben bis milchigen Flüssigkeit erkennbar; ein fester Inhalt von der Konsistenz eines weichen Schnittkäses zeigt an, dass der Fetus schon längere Zeit tot ist. Einzelne Eier können trotz Schlupfreife des Geleges noch sehr prall sein. Ein vorsichtiges Anritzen der Eischale mit einer spitzen Schere lässt die Kontrolle der austretenden Eiflüssigkeit zu. Der dabei absinkende Eiinnendruck veranlasst dann häufig den Beginn des selbständigen Durchschneidens der Eischale. Mitunter ist zu beobachten, dass Jungtiere die Eischale schon vier- oder sechsmal parallel angeschnitten und trotzdem offensichtlich Schlupfschwierigkeiten haben. In einem solchen Fall ist es dann zweckmässig, durch ein oder zwei Querschnitte die Längsschnitte zu verbinden und damit ein grösseres Ausschlupfloch zu schaffen. Diese Schlupfhilfe ist völlig unproblematisch.

Die Körperlänge der jungen Schlangen hängt an der Art und der Grösse der Eier - damit wiederum von der Länge des Muttertieres und der Gelegegrösse - ab. Unterschiede zwischen den einzelnen Individuen eines Geleges sind meist geringer als zwischen denen verschiedener Gelege. Gelegentlich sind aber ein oder zwei Kümmerer bei einem Schlupf. Derartige Jungtiere sollten, wenn es sich nicht gerade um eine besondere Nachzucht handelt, selektiert und schmerzlos getötet werden. Sie machen meist beim Fressen und weiteren Wachstum Schwierigkeiten. Ebenso gemerzt werden sollten im Interesse einer gesunden Vermehrung über möglichst viele Generationen natürlich auch Jungschlangen mit Missbildungen.

Mitunter wird der Terrarianer von dem Aussehen seiner eben geschlüpften Jungschlangen überrascht sein - ähneln sie doch ihren Eltern in Farbe und Zeichnung überhaupt nicht. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele (Tab. 18). So lassen sich Unterarten in der Jugendfärbung nicht identifizieren, wie das für mehrere Unterarten der Pilotnatter (Elaphe obsoleta) und die Vierstreifennatter (Elaphe quatuorlineata) zutrifft. Bei letzterer lassen sich Jungschlangen der Unterarten quatuorlineata und sauromates auf Grund ihrer Zeichnung nicht unterscheiden. Während die westlich lebende Nominatform mit zunehmendem Alter die für ihre deutsche Bezeichnung namengebende Streifung bekommt, behält die östlichere Unterart sauromates die Fleckung ihres Jugendkleides bei. Noch verwirrender wird es, wenn unterschiedliche Jugendzeichnungen bei den Jungtieren innerhalb eines Geleges vorkommen. So schlüpften bei der südamerikanischen Baumschlangenart Philodryas baroni sowohl einfarbig grüne als auch braune Jungtiere ohne jegliche Zwischentöne, eine taxonomische Trennung der Farbvarianten ist damit nicht gerechtfertigt. Ähnliches trifft auf die gestreiften oder geringelten Jungtiere der Kalifornischen Kettennatter (Lampropeltis getulus californiae) aus demselben Gelege zu. Kaum zu glauben ist auch, dass die gelben, orangefarbenen, bräunlichen bis roten Jungschlangen des Grünen Baumpythons (Chondropython viridis) oder die gelbbraunen Jungtiere des Hundskopfschlingers (Corallus caninus) schon nach wenigen Häutungen die grüne Grundfärbung ihrer Eltern annehmen. Grüne Baumpythons sind nach etwa 3 Jahren, Hundskopfschlinger bereits nach rund 190 Tagen umgefärbt.

Die prächtig rote bis orangefarbene Untergrundzeichnung der Floridawassernatter (Nerodia fasciata pictiventris) wird leider mit zunehmendem Alter blasser, schmutziggelb, und schliesslich können einzelne Tiere fast einfarbig dunkel-graubraun werden. Die lebhaft gezeichneten Jungtiere der Wassermokassinschlange (Agkistrodon piscivorus) werden schwarz.

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Stand: 19.04.2009